Sonntag, 28. Juni 2009

Irland.

Am 22.05. ging es für Meike und mich los nach Irland. Da wir beide noch nie vorher geflogen sind, waren wir dementsprechend aufgeregt. So schlimm war’s dann aber gar nicht. ;-) Nach dem 1,5-stündigen Flug nach Dublin hatten wir noch eine 3-stündige Busfahrt nach Galway vor uns, so dass wir ziemlich müde erst spät abends dort ankamen.

Am nächsten Tag schauten wir uns Galway an, den Ort in dem wir die nächsten Tage verbringen sollten. Mit über 70.000 Einwohnern ist Galway die größte Stadt an der irischen Westküste. Das „Volvo Ocean Race“ machte zur gleichen Zeit wie wir hier Station, was viele Schiffe im Hafen, Veranstaltungen, Touris und eine allgegenwärtige Begeisterung für das irische „Green Dragon Team“ zur Folge hatte. Das Wetter war uns wohlgesonnen, so dass wir den ganzen Tag mit Sightseeing verbrachten und abends noch einen kleinen Spaziergang am Strand machten.

Am nächsten Tag mussten wir früh aus den Federn um die Fähre auf die Aran Islands, genauer gesagt nach Inishmore, nicht zu verpassen. Inishmore ist die größte der drei Aran Islands und bezaubert durch seine unfassbar vielen, tollen Steinmauern und eine großartige Steilküste. Wir mieteten uns Fahrräder und legten so einige Kilometer auf der Insel zurück. Angeblich leben ungefähr 1000 Menschen auf den Aran Islands, ich hatte aber das Gefühl, dass nur Touristen da waren. An diesem Tag habe ich mich oft gefragt, wie es sein muss auf einer dieser Inseln zu leben. Die Landschaft ist unglaublich schön, aber die ganzen Touristen und die extreme Abgeschiedenheit wären auf Dauer wohl nichts für mich. Gegen ein Ferienhäuschen hätte ich aber nichts einzuwenden!

Nachdem die beiden Tage recht anstrengend waren (Viel laufen in Galway, viel Fahrrad fahren auf Inishmore) freuten wir uns auf eine entspannte Bustour am nächsten Tag. Unser extrem sympathischer Fahrer Michael fuhr uns von Galway aus zunächst zu einer alten Klosterruine, in der man Stunden mit erkunden und fotografieren hätte verbringen können. Leider regnete es aber, so dass der Besuch dort abgekürzt wurde. Beim nächsten Stop, dem Örtchen Cong, wurde das Wetter schon etwas besser und spätestens als wir durch die wunderschönen Berge von Connemara fuhren, klarte es endgültig auf. Am frühen Nachmittag erreichten wir Kylemore Abbey, ein Schloss, das im 19. Jahrhundert von einem englischen Kaufmann erbaut wurde und heute als Kloster dient. Man hätte sich dort einige Räume und den Garten anschauen können, aber da Yvonne die Insiderinfo hatte, dass sich das nicht lohnt, sparten wir das Geld lieber und machten am See des Klosters eine ausgiebige Pause. Wieder in Galway angekommen, ließen wir den Abend in einem Pub mit Livemusik ausklingen.

Neuer Tag, neue Bustour. Heute mit fantastischem Wetter, dafür ein längst nicht so toller Busfahrer wie gestern. Stattdessen ein alter Mann, der die Tour schon über 30 Jahre fuhr, sehr gerne den jungen Frauen beim Aussteigen aus dem Bus half, eine furchtbare Stimme und einen noch furchtbareren Alte-Männer-Humor hatte. Ich konnte irgendwann nicht mehr und habe meine Kopfhörer aufgesetzt um dem Gelaber zu entgehen. Die Tour brachte uns durch den Burren National Park zum Poulnabrone Dolmen (Das bekannteste und meistfotografierte Megalithgrab Irlands (überbewertet, da recht unspektakulär)) und zu den grandiosen Cliffs of Moher. Wir hatten unglaublich schönes Wetter und machten dementsprechend viele, viele Fotos. Zum Glück kann man nicht direkt an den Rand der Klippen – sonst hätte ich mit den 200 Metern, die es da abwärts geht ein ganz schönes Problem gehabt. Auf Inishmore habe ich ja todesmutig von den Klippen hinab ins Meer geschaut, aber die sind auch nur läppische 80 Meter hoch. ;-)

Am Mittwoch ließen wir es ruhig angehen. Da es den ganzen Tag nieselte und Yvonne noch ihr Zimmer ausräumen und packen musste, gingen Meike und ich ein wenig shoppen. Später schauten wir uns noch die St. Nicholas Church und die Kathedrale von Galway an. Die Kathedrale sieht von außen alt und ehrwürdig aus, tatsächlich wurde sie aber erst 1965 (!) eingeweiht. Komisches Teil.

Ich hatte übrigens ziemlich viel Spaß mit dem irischen, bzw. britischen Fernsehen. Ständig lief entweder Friends, Srcubs oder irgendeine andere tolle Serie. Großartig! Begeistern konnte ich mich auch für „Britain’s got Talent“. Ist unser „Supertalent“ auch so lustig und skurril? Meine Lieblinge waren „Stavros Flatley“, aber ich mochte auch die Typen mit dem Schubkarrenballett und die dicke Frau, die irgendeinen Opernkram gesungen hat, während ihr Mann in der Zeit passend dazu Blumengestecke gebastelt hat. Herrlich!

Unsere Tage in Galway waren gezählt, denn am Donnerstag ging es nach Dublin! Vielleicht noch ein paar Worte zum Wetter: Wir hatten eigentlich viel Glück und sind selten nass geworden, aber relativ kalt war es. T-Shirt, Pullover, Jacke (manchmal + Regenjacke) mussten in Galway und Umgebung schon sein. Zu meiner großen Freude änderte sich dies in Dublin. Wir stiegen aus dem Bus und wurden von wunderbarstem Sonnenschein und ungewohnter Wärme begrüßt. Dies sollte sich in den drei Tagen unseres Aufenthaltes kein einziges Mal ändern…Sonnenschein von morgens bis abends…hallo Sonnenbrand! Ich glaube, Dublin mochte uns. Wir mochten Dublin aber auch, sehr sogar!

Am ersten Tag stellen wir nicht mehr viel an. Wir suchten unser Bed & Breakfast, das ein wenig außerhalb des Zentrums lag, dafür aber sehr muggelig war und extrem nette Besitzer hatte. Auf der Suche nach bezahlbarer Pizza (Viel schwerer als man glauben mag!) landeten wir letztendlich in dem Restaurant eines ganz schönen schicken Hotels. Aber immerhin gab es hier Pizza für 9,90 €. Schnäpper quasi!

Am nächsten Morgen gab es das erste „Full Irish Breakfast“ für Yvonne und Meike (schön mit fettiger Wurst, Bacon und Ei) und das vegetarische für mich (Rührei, Pilze, Bohnen und Tomaten). Da wir ja Sparfüchse sind und einen langen Tag vor uns hatten, hauten wir beim Frühstück ordentlich rein.

Wir erkundeten Dublin zu Fuß und kamen an der Bank of Ireland, dem Trinity Colleague und an der Christ Church Cathedral vorbei. Einen ersten längeren Stopp machten wir in der schnuckeligen St. Audoen’s Church, wo wir eine interessante kostenlose Führung mitmachten. Danach ging es noch weiter Richtung Westen, vorbei am Guiness Gelände, zum Kilmainham Gaol. Das Kilmainham Gaol war von 1769 bis 1924 ein Gefängnis, wurde in den 60er Jahren restauriert und ist seit dem ein Museum. Geschichtliche Bedeutung hat es, weil die Anführer des Easter Risings von 1916 dort inhaftiert waren und hingerichtet wurden. Da wir die irische Geschichte im Englisch LK durchgenommen hatten und ich mit den ganzen Namen etwas anfangen konnte, war die Führung höchst interessant.

Danach machten wir eine kleine Pause im Phoenix Park und genossen die Sonne.

Durch Temple Bar und die Grafton Street ging es zu Fuß zurück ins Zentrum. Im wunderbaren Café en-Seine genossen wir einen fantastischen Kakao und sehr leckere Scones mit Sahne und Himbeermarmelade. Dieses Café kann ich jedem der nach Dublin kommt nur wärmstens empfehlen!

Im schönen St. Stephen’s Green machten wir eine weitere längere Pause und lagen und saßen zusammen mit hunderten anderen Menschen auf den Grünflächen.

Am Abend wohnten wir einem großen studentischen Besäufnis auf den Rasenflächen des Trinity Colleagues bei, was bei mir wieder den Wunsch auslöste doch noch zu studieren. Auf dem Rasen sitzen und Bier oder Cider trinken, darum geht es doch in allen Studiengängen, oder?

Nachdem der gestrige Tag sehr schön, aber durch die ganzen zu Fuß zurückgelegten Kilometer sehr anstrengen war, ließen wir es am Samstag ruhiger angehen. Wir spazierten vorbei an den Docklands, dem Famine Memorial und dem River Liffey, der quer durch Dublin fließt, und kamen in den Merrion Square. In dem Park gibt es eine Oscar Wilde Statue die - nun sagen wir es mal so wie es ist - sehr schwul aussieht. *g*

Außerdem schauten wir uns das tolle Trinity Colleague noch einmal genauer an und gingen natürlich wieder ins Café en-Seine im Kakao zu trinken und Scones zu essen. Auch dem liebgewonnen St. Stephen’s Green statteten wir einen letzten ausgiebigen Besuch ab.

Abends saßen wir in einem Pub und schauten beim Essen das Finale von „Britain’s Got Talent“. Leider gewann nicht mein Favorit Stavros Flatley, aber auch nicht Susan Boyle, sondern völlig überrraschend eine Tanztruppe. Beim Betreten des Pubs sagte mir übrigens jemand ich hätte „the nicest haircut he has ever seen“. Was sagt man dazu?! ;-)

Und so ging unser Irlandurlaub zu Ende.

Irland ist wirklich ein großartiges Land mit wunderschönen Landschaften, sehr sympathischen Menschen, tollen Pubs und leckeren Getränken. ;-) Allein das unbeständige Wetter würde mich am Auswandern hindern. Ich komme sicher noch mal wieder.

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