1. Mario Krebs - Ulrike Meinhof (Rowohlt Taschenbuch, 286 Seiten)
Sie war die meistgesuchte Frau der Bundesrepublik - für die einen überzeugte, wenn auch gescheiterte Moralistin, für die anderen kaltblütige Terroristin. Mario Krebs hat den politischen Lebensweg von Ulrike Meinhof anhand der Zeugnisse, der Erzählungen von Freunden und Angehörigen und anhand ihrer eigenen Texte rekonstruiert: vom christlichen Elternhaus über das Studium, die Jahre bei der Zeitschrift "konkret", bis zum Marsch in den Untergrund und dem Tod in Stammheim.
Mir hat die Biographie gut gefallen. Der Untertitel "Ein Leben im Widerspruch" beschreibt Ulrike Meinhof sehr treffend, gibt es doch diverse Widersprüche in ihrem Denken und Handeln, die der Autor gut verständlich beschreibt. Note 2
2. Stephan Lahrem - Che Guevara (Suhrkamp Basisbiograhpie Band 6, 156 Seiten)
"Seien wir realistisch, versuchen wir das Unmögliche!" Abenteurer, Asthmatiker, Arzt, Guerillero, Minister, Revolutionär - Ernesto Che Guevara war schon zu Lebenzeiten eine Legende. Durch seinen frühen Tod im bolivianischen Dschungel 1967 etablierte sich der "Mythos Che" endgültig: Che Guevara wurde zur Ikone einer ganzen Protestgeneration, und bis heute ist seine Faszination ungebrochen.
Die Bibographie ist in die drei Teile Leben, Werk und Wirkung unterteilt. Den ersten Teil fand ich sehr interessant, "Werk" und "Wirkung" habe ich aber nur quer gelesen. Das war mir zu trocken. Note: 3
3. Charlotte Link - Das Echo der Schuld (Blanvalet, 541 Seiten)
Als Virginia Quentin im Radio von dem Schiffsunglück vor der Hebrideninsel Skye hört, ahnt sie gleich, dass sie die Schiffbrüchigen kennt. Es handelt sich nämlich um ein deutsches Ehepaar, und Virginias deutsche Haushaltshilfe Livia war genau an diesem Tag mit ihrem Mann Nathan in See gestochen. Aus Mitgefühl für das nun gänzlich mittellose Paar bietet sie ihnen Unterkunft in ihrem Ferienhaus an. Doch Virginias Mann Frederic ist ganz und gar nicht erfreut über die Anwesenheit der Fremden. Seine instinktive Abneigung gegen Nathan, den attraktiven Mann Livias, lässt sich kaum übersehen. Ganz anders als Virginia, die sich vom ersten Augenblick an zu dem intellektuellen Abenteurer hingezogen fühlt. Da die Familie Quentin am nächsten Tag auf ihr Anwesen bei London heimkehrt, scheint das Ganze ein ärgerliches Intermezzo zu bleiben. Doch schon kurze Zeit später steht Nathan auch dort vor der Tür.Inzwischen treibt ein pädophiler Serienmörder sein Unwesen in der Gegend. Nachdem bereits zwei kleine Mädchen ermordet aufgefunden wurden, bangen viele Eltern um ihre Kinder, so auch Virginia und Frederic, deren Tochter Kim gerade sieben Jahre alt geworden ist. Als Kim eines Tages nach der Schule tatsächlich verschwindet, beginnt ein nervenaufreibender Wettlauf mit der Zeit. Ein schrecklicher Verdacht keimt in Virginia auf, schließlich versucht sie, auf eigene Faust zu recherchieren.
Sicher kein Buch, das mir lange im Gedächtnis bleiben wird, aber genau das Richtige für ein verregnetes Wochenende. Note: 2-3
4. Stefan Aust - Der Baader-Meinhof-Komplex (Hoffmann und Campe, 659 Seiten)
Das Buch hat wie kein anderes das heutige Bild vom Krieg der "Rote Armee Fraktion" gegen den Staat geprägt und tut dies weiterhin, indem es immer wieder frisch gewonnene Erkenntnisse präsentiert. Es ist keine Anklageschrift und kein Plädoyer eines Verteidigers. Es ist auch kein Urteil, weder in juristischer noch in moralischer Hinsicht. Es ist ein Protokoll, eine Chronik der Ereignisse, die ihren Höhepunkt im Deutschen Herbst hatten, in der Ermordung des Arbeitgeberpräsidenten Hanns Martin Schleyer und der Entführung und Befreiung der Passagiere und der Crew der Lufthansa-Maschine "Landshut".
Ich ärgere mich sehr über mich selbst, denn während dieses Buch seit 2005 ungelesen in meinem Regal verstaubte, ist 2008 eine aktuellere Ausgabe erschienen. Die neue Ausgabe mit neuen Beweisen dafür, dass die Gefangenen in ihren Zellen in Stammheim abgehört wurden, hätte mich doch sehr interessiert. Naja, vielleicht werde ich mir die neue Ausgabe irgendwann mal zu legen, ist dieses Buch doch so dermaßen interessant und bemerkenswert neutral geschrieben, dass ich es jedem empfehlen würde, der in den 70ern noch nicht geboren oder zu jung war. Note: 1
5. Gwendoline Riley - Krankmeldungen (Schöffling & Co., 203 Seiten)
Winter in Manchester, Schneematsch auf den Straßen. Esther kommt nach einer Reise aus New York zurück in ihre Heimatstadt und zieht bei ihrer besten Freundin Donna ein. Alles, was sie besitzt, befindet sich in ein paar Pappkartons. Esther schreibt, sie liest, sie trinkt, lässt sich treiben und versucht erfolgreich, das Leben zu vermeiden. Meistens möchte sie nur ihre Ruhe haben: vor der Arbeit, vor der Liebe, vor dem Erwachsensein. Sie macht es anderen nicht leicht, an sie heranzukommen, doch dann begegnet sie Newton, einem jungen Musiker aus Kanada.
Ich habe das Buch sehr gerne gelesen, obwohl es irgendwie deprimierend ist. Esther trinkt zu viel, isst zu wenig, ständig regnet es und alles ist grau. So wie die Hauptperson niemanden (außer Donna) an sich heran lässt, lässt auch die Autorin den Leser nicht so richtig an Esther ran. Sie ist auf ihre Art sympatisch, aber auch merkwürdig und ein wenig bemitleidenswert. Note: 2
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