Marie Baer ist Antiquarin in Berlins Mitte. Kiezbewohner gehen bei ihr ein und aus; sie kauft und verkauft und unterhält Touristen mit Anekdoten. Eines Tages wird Marie ein uraltes Romanheft angeboten:"Wanda von Brannburg, Deutschlands Meisterdetectivin. Sammlung hervorragender Criminal-Novellen, genau nach den Tagebüchern der Baronesse von Brannburg"Eine weibliche Heldin in einer Groschenheft-Serie aus der Kaiserzeit? Marie lernt Rose von Reventlow kennen. Die 93-Jährige besitzt einen ganzen Waschkorb voll von den kostbaren Heften. Eingewickelt in etwas Bekritzeltes, das sich als handgeschriebenes Manuskript aus dem Jahr 1909 entpuppt. Ist es das Tagebuch der Baronesse Wanda von Brannburg oder der Entwurf für einen Roman? Ist Wanda eine literarische Figur oder hat sie wirklich gelebt? Marie macht sich mit ihrem Großvater an die Entzifferung der Sütterlin-Schrift. Vor ihnen eröffnet sich eine ganze Welt: Wanda, behütete Tochter eines brandenburgischen Gutsbesitzers, wird in einen Kriminalfall verstrickt. Was erst aussieht wie ein blutiger Familienstreit um wertvolles Bauland, entpuppt sich als mörderische politische Intrige. Der stille Chauffeur Justus Hansen kutschiert Wanda in einem Ford T Automobil, steht ihr zur Seite und wird Vertrauter, Freund und Liebster der Baronesse. Ihre Ermittlungen führen kreuz und quer durch das Berlin der Kaiserzeit, in dem Verkehr und Wissenschaft sich in rasantem Tempo entwickeln: derZeppelin fliegt zum ersten Mal über die Stadt, das Kaiser-Wilhelms-Institut wird gegründet. Sie lösen den Fall aber der Preis ist hoch.
Ich liebe es, mir von Buchhändlerinnen Bücher empfehlen zu lassen. Ja, ich weiß, ich bin selbst eine. Aber seitdem ich nicht mehr im Handel arbeite, fehlen mir diese kleinen, feinen Geheimtipps. Wenn ich in der Heimat bin, empfehlen mir die ehemaligen Kolleginnen, die meinen Geschmack kennen, tolle Bücher. Letztens war ich bei Weiland im Mercado und fing an: "Also, keine lustigen Frauenromane, keine Krimis.." "Aber hier habe ich einen ganz tollen Krimi!". Ich weiß nicht, ein Krimi aus der "ariadne krimi" Reihe? Ich dachte immer, die wären nix für mich. Falsch gedacht! "Der grüne Chinese" ist sehr unterhaltsam, spannend und mal ganz was anderes (für mich). Der Teil der Geschichte, der 1909 spielt, ist sehr spannend und gut geschrieben, während der Teil im heutigen Berlin eher schnodderig "hingerotzt" klingt. Diese Mischung fand ich super! Nur den Titel fand ich etwas unglücklich gewählt, denn "der grüne Chinese" ist nur der Tee, der im Roman des öfteren getrunken wird. Okay, er spielt eine Rolle, aber so hundertprozentig passt er für mich nicht. Aber ich will nicht meckern, denn es wurde mal wieder bewiesen, dass Buchhändler einfach die allerbesten Buchtipps haben. Note: 2
2. Marlen Haushofer - Die Wand (List, 285 Seiten)
Eine Frau wacht eines Morgens in einer Jagdhütte in den Bergen auf und findet sich eingeschlossen von einer unsichtbaren Wand, hinter der kein Leben mehr existiert...
Nach "Das fünfte Kind" ist dieses Buch der zweite "moderne Klassiker" der mich komplett umgehauen hat. Marlen Haushofer erzählt rückblickend die 2,5 Jahre, die seit dem Auftauchen der Wand vergangen sind. Dadurch, dass oft vorgeriffen wird, ist das Buch nicht sehr spannend erzählt, entwickelt aber einen unglaublichen Sog. Als ich das Buch zu Ende gelesen hatte, fiel mir auf, dass sich die Frau nie für die Wand interessiert hat. Am Anfang steckt sie den Verlauf mit kleinen Zweigen ab und macht sich Gedanken, wo die Wand herkommt und warum sie da ist. Sie unternimmt aber keinen einzigen Versuch sich unter der Wand hindurchzugraben oder auf anderem Wege auf die andere Seite zu kommen. Verständlich aber auch, kann sie doch sehen, dass auf der anderen Seite alle Lebewesen tot sind. Das Buch ist wirklich allen zu empfehlen, die keine spannenden, aber beeindruckene Bücher mögen. Mein Monatshighlight! Note: 1
3. Richard Yates - The Easter Parade (Methuen Publishing, 225 Seiten)
Even as little girls, Sarah and Emily are very different from each other. Emily looks up to her wiser and more stable older sister and is jealous of her relationship with their absent father, and later her seemingly golden marriage. The path she chooses for herself is less safe and conventional and her love affairs never really satisfy her. Although the bond between them endures, gradually the distance between the two women grows, until a tragic event throws their relationship into focus one last time. Richard Yates' masterful novel follows the two sisters from their childhood in the 1920s through the challenges of their adult choices, and depicts the different ways they seek to escape from their tarnished family past.
Ein tolles, trauriges Buch, das mich aber nicht so begeistern konnte wie "Revolutionary Road". Note: 2-
4. Franz Dobler - Aufräumen (BVT, 211 Seiten)
Franz Doblers Held Beat hat Grund, aufzuräumen - in seinem Leben. Seltsame Jobkombinationen (Musikkritiker einerseits, Drehbuchautor von Pornofilmen andererseits) machen seinen Alltag längst zur Qual. Auch seinen wichtigsten Job als Barkeeper in einem Club möchte er am liebsten hinschmeißen - zu laut ist es ihm dort inzwischen. Der 45-jährige Beat beobachtet die Welt genau und sieht um sich herum immer mehr Aggression und Menschen kurz vor dem Amoklauf - vor allem Menschen in seinem Alter, Menschen aus der sich auflösenden Mittelschicht. Da fällt plötzlich eine Kiste mit Singles auf den Boden und eine Frau namens Monika in sein Leben, und der Tag nimmt einen ganz anderen Lauf.
"Aufräumen" spielt innerhalb 24 Stunden und erinnert ein bißchen an "Herr Lehmann". Beat ist ein Antiheld, der einem ein bißchen suspekt, aber irgendwie sympatisch ist. Franz Doblers Stil fand ich teilweise etwas anstrengend, aber interessant. Außerdem liefert er eine großartige Grabsteininschrift: "What have I done to deserve this". Läuft. Note: 2-3
5. Tana French - Grabesgrün (Fischer Taschenbuch, 668 Seiten)
Wer bringt ein kleines Mädchen um und bahrt es auf dem Opferaltar einer Ausgrabungsstätte auf? Jede Spur, die die beiden jungen Dubliner Ermittler Rob Ryan und Cassie Maddox verfolgen, führt sie nur tiefer in ein Dickicht, in dem sich alle Gewissheiten in ihr Gegenteil verkehren. Und keiner darf erfahren, dass Rob vor vielen Jahren selbst etwas Furchtbares erlebt hat - im Wald bei ebenjener Ausgrabungsstätte.
Was, zwei Krimis in einem Monat? Höchst ungewöhnlich! Aber auch der zweite Krimi war eine Empfehlung einer Buchhändlerin, die zudem meinen Buchgeschmack gut kennt. "Grabesgrün" war genau der richtige Krimi für mich. Unblutig und nicht allzu spannend. :) Dass das Buch in Irland spielt, kommt als Pluspunkt dazu. Minuspunkte gibt es für die Hauptperson Rob. Ich mag es einfach nicht, wenn Frauen aus der Sicht von Männern erzählen, die können das nicht. Die Freundschaft zwischen Cassie und Rob fand ich auch nicht gut beschrieben. Insgesamt hat mir das Buch aber gut gefallen und
bekommt eine 2-.
Also "Grabesgrün" bekommt von mir eine glatte 1 :o)
AntwortenLöschenNee, dafür reicht es nicht ganz. :) Außerdem wollte ich, dass aufgeklärt wird, was damals im Wald passiert ist. *maul*
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