Leider habe ich nur drei Bücher geschafft. Aber der Februar ist ja ein kurzer Monat, in dem ich auch nicht so wahnsinnig viel zum Lesen gekommen bin.
1. Karen Duve - Anständig essen (Galiani, 335 Seiten)
Karen Duve gehörte nicht eben zur Gesundheitsfraktion. Bratwürstchen und Gummibären wanderten genauso in ihren Einkaufswagen wie Schokolade und Curryketchup in 1-L-Plastikflaschen. Doch dann zog sie mit jemandem zusammen, der schnell den Spitznamen Jiminy Grille erhielt - nach dem personifizierten Gewissen der Holzpuppe Pinocchio. Denn Jiminy schrie auf, wenn Karen Duve nach der "Grillhähnchenpfanne für 2,99" griff. Und Karen Duve musste einräumen, dass das Leben der "Grillhähnchenpfanne" vor ihrer Schockfrostung wohl eher unerfreulich gewesen war. So stellten sich vor der Tief kühltruhe schnell grundlegende Fragen: Darf man Tiere eigentlich essen? Und wenn Tiere nicht, warum dann Pflanzen? Wo beginnt die menschliche Empathie, und warum? Was sind wir bereit aus Rücksicht auf die Mitlebewesen zu opfern? Oder können wir sogar einen persönlichen Gewinn daraus ziehen, unsere Gewohnheiten zu ändern? Irgendwann wollte Karen Duve es wirklich wissen: Jeweils zwei Monate lang testet sie seitdem Ernährungsweisen mit moralischem Anspruch: Biologisch-organisch, vegetarisch, vegan und am Ende sogar frutarisch, also nur das, was die Pflanze freiwillig spendet. Parallel dazu setzt sie sich mit der dahinterstehenden Weltsicht auseinander - und liefert sich mit Jiminy Grille die unausweichlichen Verbalduelle. Erst kurz vor der Veröffentlichung dieses Buches wird sie eine Lebensentscheidung treffen - die, wie sie sich weiter ernähren und weiter leben will. Schonungslos und mit der ihr eigenen knochentrockenen Komik setzt sie sich jenseits aller Ideologien mit der Frage auseinander: Wie viel gönne ich mir auf Kosten anderer?
Genau mein Thema, großartige Autorin, dieses Buch musste ich unbedingt lesen! Karen Duve erzählt mit ihrem fantastischen Humor von dem Jahr, in dem sie sich über alles, was sie aß Gedanken gemacht hat. Dass sie während dieser Zeit sehr viele Bücher über Ernährung und Tierhaltung gelesen und viele Reportagen gesehen hat, wird öfters erwähnt und zwischendurch streut sie ihr Wissen und ihre Meinung ein. Hauptsächlich beschreibt sie aber ihren Alltag und wie dieser sich durch die Einschränkungen und Umstellungen verändert. Mir hat das Buch wahnsinnig gut gefallen, auch wenn ich mich sicher niemals frutarisch und wahrscheinlich nicht mal vegan ernähren werde. Dafür esse ich einfach zu gerne Käse. :) Note: 1
2. Roger Willemsen - Die Enden der Welt (S. Fischer - 544 Seiten)
Auf fünf Erdteilen war Roger Willemsen unterwegs, um seine ganz persönlichen Enden der Welt zu finden. Manchmal waren es die großen geographischen: das Kap von Südafrika, Patagonien, der Himalaja, die Südseeinseln von Tonga, der Nordpol. Manchmal waren es aber auch ganz einzigartige, individuelle Endpunkte: eine Bahnstation in Birma, ein Bett in Minsk, ein Fresko des Jüngsten Gerichts in Orvieto, eine Behörde im kriegszerrütteten Kongo. Immer aber geht es in diesen grandiosen literarischen Reisebildern auch um ein Enden in anderem Sinn: um ein Ende der Liebe und des Begehrens, der Illusionen, der Ordnung und Verständigung. Um das Ende des Lebens und um den Neubeginn.
"Die Enden der Welt" war mein erstes Buch von Roger Willemsen und überraschte mich gleich: Huch, der schreibt ja genauso wie er spricht! Die Erzählungen sind in einem Zeitraum von 30 Jahren entstanden, manche sind sehr persönlich, in anderen beschreibt er hauptsächlich das Gesehene und Erlebte. Mir haben viele Geschichten gut gefallen, mit einigen konnte ich gar nichts anfangen. Seinen Schreibstil fand ich erst gewöhnungsbedürftig, zwischendurch sehr toll und zum Ende hin ermüdend. Das könnte aber auch daran liegen, dass ich das Buch unter Zeitdruck zu Ende gelesen habe, weil es am nächsten Tag zurück in die Bibliothek musste. ;-) Note: 2-3
3. Camilla Läckberg - Die Totgesagten (List, 416 Seiten)
Die Hochzeitsvorbereitungen von Erica Falck und Patrik Hedström werden von einer Mordserie überschattet. Die einzige Fährte: Neben den brutal zugerichteten Frauen findet sich eine Seite aus dem Märchen »Hänsel und Gretel«. Virtuos enthüllt Camilla Läckberg die Abgründe, die sich hinter den idyllischen Fassaden des schwedischen Städtchens Tanum auftun.
Hm, joa. Wahrscheinlich hätte ich diese Krimireihe nicht mit dem vierten Band beginnnen sollen. So fehlten mir leider viele Informationen zu Patrick Hedström und Erica Falck, deren Privatleben einen recht großen Raum einnimmt. Der Kriminalfall wurde erst zum Ende spannend und der Buchtitel ist eher unglücklich gewählt. Ein Buch, das ich wohl recht schnell vergessen werde. Note: 3
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen