Montag, 1. Februar 2010

Nina hat im Januar gelesen...

1. Eva Menasse - Vienna (Kiepenheuer & Witsch, 427 Seiten)

Ein großer Familienroman, der anekdotisch, lebendig und eindringlich vom Geschick eines jüdischen Familienclans in Wien erzählt. Sei es Königsbee, der noch jede Redewendung verballhornt hat, sei es die Mutter, die überm Kartenspiel beinahe die Geburt des Sohnes versäumt - die Lebensfäden der verschiedensten Menschen werden über räumliche Trennung hinweg, durch die Schrecken der Naziherrschaft und über die Familienstreitereien nach dem Krieg zusammengeführt im charmanten Wien der Kaffeehäuser.


Dieses Buch stand ungefähr 2 Jahre ungelesen in meinem Regal und da der Januar ja der Monat der guten Vorsätze ist, habe ich das Lesejahr mit einem Buch vom SUB (Stapel ungelesener Bücher) begonnen. Die Autorin erzählt sehr kurzweilig, unterhaltsam und witzig ihre Familiengeschichte. Den Einstieg fand ich etwas schwierig, da die meisten Personen nicht namentlich genannt werden, sonden nur "Meine Großmutter", "mein Onkel", "mein Vetter" heißen, aber man gewöhnt sich daran. Sehr gerne mochte ich auch Wiener Redensarten und Ausdrücke, die zum Glück hinten im Buch erklärt werden. Note: 2

2. Anne Enright - Das Familientreffen
(btb, 343 Seiten)

Als Kinder haben sie sich stets alle Geheimnisse anvertraut, und auch als Erwachsene sind Veronica und ihr Bruder Liam noch immer aufs Engste miteinander verbunden. Doch dann stürzt Liam sich mit Steinen in den Hosentaschen ins Meer, und Veronica bleibt allein zurück mit der Frage nach dem Warum. Während sie im Dubliner Elternhaus die Beerdigung vorbereitet, überwältigen sie die Erinnerungen an ihre Kindheit, an ihre Großmutter, die aus Vernunftgründen auf die Liebe ihres Lebens verzichtete, an ihre Mutter, die sich nach den vielen Geburten und Fehlgeburten nicht einmal die Namen all ihrer Kinder merken konnte. Und an jenen Tag, an dem ihrem Bruder Liam, gerade neun Jahre alt, etwas angetan wurde, vor dem sie ihn hätte beschützen müssen.Ein bewegender Roman, dessen sprachliche Finesse und eindrucksvolle Bildlichkeit einen bisher ungekannten Blick auf das verletzliche Wesen der menschlichen Seele zu werfen vermag.

An Romane, die einen Preis gewonnen haben (In diesem Fall der Booker Preis 2007) habe ich meistens hohe Ansprüche. Diesen Ansprüchen konnte "Das Familientreffen" in keinster Weise standhalten. Mir haben weder der Schreibstil, noch die Personen und schon gar nicht die Geschichte gefallen. Völlig unstrukturiert erzählt und was genau die Autorin mir mit all dem sagen will, weiß ich auch nicht. Vielleicht habe ich da Buch nicht verstanden, vielleicht gibt es aber auch nichts zu verstehen und ganz vielleicht war es auch eine schlechte Idee, zwei Familienromane hintereinander zu lesen. Note: 4 Ein wunderbarer Satz ist mir allerdings in Erinnerung geblieben: "Alle entschuldigen sich dafür, dass jemand, den man liebt, tot ist, während die Welt von Menschen wimmelt, die man nicht liebt."

3. Rainer Merkel - Lichtjahre entfernt
(S. Fischer, 202 Seiten)

Ein Mann muss zum Flughafen. Er hat es eilig, aber seine Erinnerungen halten ihn auf. Hier in New York hat er seine langjährige Freundin noch einmal getroffen. Ein letztes Mal. In immer neuen Anläufen kreisen seine Gedanken um das Zentrum der Katastrophe. Er erinnert sich an die dramatischen Ereignisse der letzten Monate. Eine Reise durch Kalifornien, die mitten in der Wüste in einem namenlosen Hotel endet. In der Erinnerung erscheint diese Nacht grell und überbelichtet, und die Suche nach der Wahrheit wird zu einem sexuellen Geständnis, einem Geständnis ohne Zuhörer, einem Monolog ohne Publikum. Kurz vor seinem Rückflug erkennt er plötzlich, dass es eine Möglichkeit der Rettung gegeben hätte. »Was bleibt von den Nächten zurück, die man zusammen verbringt? Ich muss zurückrechnen. Nacht für Nacht. In einer systematischen Erinnerungsarbeit, und wenn man alles noch einmal durchgeht, findet sich vielleicht der entscheidende Moment, der Augenblick, nach dem ich schon die ganze Zeit suche.«

Ich bin mir nicht sicher, was ich von diesem Buch halten soll. Es lies sich sehr gut lesen, auch wenn die Zeitsprünge und vielen verschiendenen Ort verwirrend sind. Mir war aber die ganze Zeit nicht wirklich klar, ob er und Judith (offiziell) noch ein Paar sind oder nicht. Auch die "Möglichkeit der Rettung" habe ich anscheinend nicht bemerkt oder verstanden. :(
Vielleicht sollte ich zurzeit keine anspruchsvollen Bücher lesen, sondern was einfaches. Note: 3

4. Doris Lessing - Das fünfte Kind
(btb, 219 Seiten)

Harriet und David Lovatt haben vier Kinder und gelten als vorbildliche Familie. Das ändert sich mit dem fünften Kind: Ben ist ein Monster, das Haustiere erwürgt und seine vier Geschwister bedroht. Harriet geht daran beinahe zugrunde und stimmt zu, Ben in ein Heim zu bringen, aber als sie die Verhältnisse dort sieht, holt sie ihn zurück. Darüber zerbricht die früher glückliche Familie.


Wow, was für ein beeindruckendes Buch! Es beginnt ganz harmlos und schön mit der Beschreibung des ersten Treffens von Harriet und David. In den wilden 60ern wollen sie ganz konservativ früh heiraten, ein Haus kaufen und viele, viele Kinder haben. All dies setzen sie in die Tat um. An Feiertagen und in den Ferien bevölkern unzählige Verwandte mit ihren Kindern das riesige Haus und beneiden Harriet und David um diesen gelebten Traum. Als dies ändert sich, als Ben, das fünfte Kind, geboren wird. Schon im Mutterleib quälte er seine Mutter mit Tritten. Als er auf die Welt kommt, hat seine Mutter Angst vor ihm und spürt Hassgefühle. Auch seine Geschwister haben Angst vor ihm und nach und nach bleiben die Besuchermassen aus. Als letzter Ausweg wird Ben in ein Heim gegeben. Doch Harriet hält es nicht aus und holt Ben zurück...
Ich habe das Buch quasi in einem Rutsch gelesen. Anders geht es aber auch kaum, denn es gibt eigentliche keine Absätze, geschweige denn Kapitel. Ein sehr trauriges und bewegendes Buch, das ich nur weiter empfehlen kann. Ganz klar mein Monatshighlight. Note: 1

5. Gabriel Garcia Márquez - Die Erzählungen
(Kiepenheuer & Witsch, 327 Seiten)

Grotesk verzerrt, phantastisch überhöht, erzählt Garcia Márquez in seinen Geschichten von Gewalt, Tod und Einsamkeit, von der ewigen Wiederkehr der Dinge und von der unentrinnbaren Zeit.


Erzählungen laden ja quasi dazu ein, sie in Häppchen über einen längeren Zeitraum zu lesen und so habe ich es bei diesem Buch gemacht. Ich liebe das phantastische und übersinnliche an Garcia Marquez Geschichten und so haben mir die Erzählungen wirklich gut gefallen. Note: 2

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