Mittwoch, 5. Oktober 2011

Nina hat im August und September gelesen...

Aufgrund des Umzugs habe ich im August nicht sehr viel gelesen. Im September war dann ein richtig dickes Buch Schuld an meiner schlechten Bilanz, so dass ich die beiden Monate mal wieder in einem Post zusammenfasse...

1. Matt Haig - Die Radleys (Kiepenheuer & Witsch, 424 Seiten)

Lernen Sie die Radleys kennen, eine total verbissene Familie. Auf den ersten Blick wirken sie wie eine ganz normale Familie: Vater Peter ist Arzt, Mutter Helen kümmert sich um die beiden pubertierenden Kinder Clara und Rowan. Doch warum erstickt Peter fast am thailändischen Salat, warum nimmt jedes Tier vor Clara Reißaus und warum kann Rowan nachts nicht schlafen und hat trotz Lichtschutzfaktor 60 Probleme mit der Haut? Das Geheimnis der Radleys ist so unfassbar wie offensichtlich: Sie sind abstinente Vampire!

Die Grundidee, dass eine Vampirfamilie versucht, möglichst unauffällig und angepasst in der Vorstadt zu leben, ist ja ganz witzig. Nur konnte sich der Autor meiner Meinung nach nicht so richtig entscheiden, ob er eine lustige, oder eine dramatische Geschichte schreiben wollte und so wirkt das Buch etwas unausgegoren. Ganz nette Lektüre für zwischendurch, man verpasst aber auch nichts, wenn man es nicht gelesen hat. Note: 3

2. Gerard Donovan - Winter in Maine (btb, 206 Seiten)

Der Winter in den Wäldern von Maine ist kalt und einsam. Bisher hat das Julius Winsome nicht gestört, er lebt schon lange allein, mit dreitausend Büchern und seinem treuen Gefährten, dem Pitbullterrier Hobbes. Als sein Hund eines Nachmittags offenbar absichtlich erschossen wird, bricht Julius' Welt zusammen.

Dafür ist "Winter in Maine" ein Buch, das sich unbedingt zu lesen lohnt! Toll geschrieben, eine sehr interessante Hauptfigur und eine Geschichte, die den Leser mitreißt. Dadurch, dass der Roman durchgehend in der Ich-Form erzählt wird (Was ich eigentlich nicht so gerne mag), ist die Distanz zu Julius sehr klein und es gibt keine Wertung seiner Handlungen. Note: 1


3. Jan Costin Wagner - Das Licht in einem dunklen Haus (Galiani Berlin, 306 Seiten)

Der Mord an einer ohnehin todgeweihten Frau stellt die Polizei im finnischen Turku gleich vor mehrere Rätsel: Wer dringt in ein Krankenhaus ein, um eine Komapatientin zu töten? Und was ist das für ein Mörder, der auf dem Bettlaken des Opfers eine einzige Spur hinterlässt - eine Substanz, die die Kriminaltechnik nach kurzem Zweifel als Tränenf lüssigkeit identifiziert. Eigentlich müsste Kimmo Joentaas ganze Aufmerksamkeit dem Versuch gelten, die ungewöhnliche Tat aufzuklären - aber der junge Ermittler hat gerade eine andere, für ihn viel existentiellere Sorge: Larissa, die Frau, die unvermutet wieder Licht in sein von Trauer verschattetes Leben brachte, ist spurlos verschwunden. Während der rätselhaft souveräne Täter in verschiedenen Städten weitere Opfer findet, führt Kimmo Joentaa die beharrliche Suche schließlich in ein kleines Dorf in der tiefsten finnischen Provinz - und mitten hinein in die Dunkelheit eines lange vergangenen Sommers.

Dadurch, dass wir in der Filiale keine Vertreter empfangen, sondern die Novitäten über die Zentrale bestellt werden, bekommen wir leider auch nicht so viele Leseexemplare. Wenn dann doch mal ein Buch wie dieses dabei ist, freue ich mich umso mehr. "Das Licht in einem dunklen Haus" war mein erster Roman von Jan Costin Wagner, aber sicher nicht mein Letzter. Sein trauriger Kommissar Kimmo Joentaa ist eine ungewöhnliche Figur, die Geschichte ist spannend erzählt, so soll das sein! Einziger Minuspunkt: Das Buch hätte gerne etwas länger sein dürfen. :) Note: 2

4. Benjamin v. Stuckrad-Barre - Auch Deutsche unter den Opfern (KiWi, 333 Seiten)

Deutschland ganz unten, Deutschland ganz oben – und mittendrin: Stuckrad-Barre, mit Stift, Papier und Kamera Im Jahr 2001 brachte er »Deutsches Theater« heraus, den »Fotoroman einer Gesellschaft, die nur in der Öffentlichkeit und im Rollenspiel noch zu sich selbst zu kommen vermag« (FAZ). Nun erscheint die Fortsetzung: Reportagen, Porträts, Erzählungen, Mono- und Dialoge – ein Sittengemälde unserer Zeit. Wahlkampf, Streik, Demonstrationen, Konsum, Fußball, Kino, Theater, Musik, Literatur, Mode, Stadtleben, Überlandfahrten. Politik, Kultur, Gesellschaft. Mit seinem Verfahren der teilnehmenden Beobachtung findet Stuckrad-Barre Momente der Wahrheit inmitten von Vorgängen, die genau diese verschleiern sollen. Dabei wechselt sein Blick permanent zwischen außen und innen, so dass nicht nur Erkenntnis über all die anderen Menschen, sondern auch über ihn, den Zuschauer, aufblitzt. Und so entsteht aus vielen Einzelbeobachtungen ein deutscher Klappaltar, aus vielen Texten eine Großerzählung, archäologisch blicken wir auf unsere Gegenwart: Das sind die Fragen, Personen und Orte, die uns bewegen – das sind die Bedingungen, unter denen wir leben.

Stuckrad-Barre ist merkwürdigerweise einer der wenigen Autoren, von denen ich wirklich alle Bücher gelesen habe. Ständig bräuchte ich das nicht, aber alle zwei Jahre kann ich mir seinen sehr hübschen Humor gut antun. :) Note: 2


5. Rebecca Gablé - Das zweite Königreich (Ehrenwirth, 879 Seiten)


England 1064: Ein Piratenüberfall setzt der unbeschwerten Kindheit des jungen Cædmon of Helmsby ein jähes Ende - ein Pfeil verletzt ihn so schwer, dass er zum Krüppel wird. Sein Vater schiebt ihn ab und schickt ihn in die normannische Heimat seiner Mutter. Zwei Jahre später kehrt Cædmon mit Herzog William und dessen Eroberungsheer zurück. Nach der Schlacht von Hastings und Williams Krönung gerät Cædmon in eine Schlüsselposition, die er niemals wollte: Er wird zum Mittler zwischen Eroberern und Besiegten. In dieser Rolle schafft er sich erbitterte Feinde, doch er hat das Ohr des despotischen, oft grausamen Königs. Bis zu dem Tag, an dem William erfährt, wer die normannische Dame ist, die Cædmon liebt ...

Ich mag gar nicht darüber nachdenken, wieviele Jahre dieses Buch ungelesen in meinem Regal stand. Aber wann nimmt man sich schon mal die Zeit für so ein dickes Buch? Da schafft man ja den ganzen Monat nix anderes mehr! ;-) Eigentlich lese ich auch überhaupt keine historischen Romane mehr, diese Phase hatte ich vor 5 Jahren mal. Frau Gablé schafft es aber immer sehr schön, Geschichte lebendig werden und den Leser in vergangene Zeiten eintauchen zu lassen, so dass ich ihre dicken Bücher immer noch gerne lese. Note: 2


6. Herman Koch - Angerichtet (Kiepenheuer & Witsch, 308 Seiten)

Der preisgekrönte Bestseller aus den Niederlanden erzählt ein Familiendrama, das um die Fragen kreist: Wie weit darf Elternliebe gehen? Was darf man tun, um seine Kinder zu beschützen? Zwei Ehepaare - zwei Brüder und ihre Frauen - haben sich zum Essen in einem Spitzenrestaurant verabredet. Sie müssen über ihre Söhne sprechen, Michel und Rick. Die beiden Fünfzehnjährigen haben etwas getan, was ihr Leben für immer ruinieren kann. Mit unglaublicher Raffinesse und großem Sprachwitz erzählt Herman Koch eine Geschichte von bedingungsloser Liebe, Gewalt und Verrat. Nach und nach nur werden die wahren Abgründe und Motive der Personen sichtbar, ständig wird der Leser herausgefordert, sein moralisches Urteil neu zu fällen.

Was mir an "Angerichtet" (guter, zweideutiger Titel!) am Besten gefallen hat: Am Anfang weiß man gar nicht, worum es geht. Ein Ehepaar ist mit einem anderen Paar zum Essen verabredet. Der andere Mann scheint berühmt zu sein. Ach, der andere Mann ist sein Bruder, der demnächst gerne Ministerpräsident werden möchte? Welche furchtbare Tat die beiden Söhne begangen haben, erfährt der Leser erst nach und nach, nach der Hälfte des Buches. Bis dahin fühlt man sich aber schon glänzend unterhalten. Note: 1

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