Montag, 28. September 2009

Reeperbahnfestival 2009

Zum vierten Mal fand das Reeperbahnfestival statt und zum dritten Mal war ich dabei. Los ging es für mich am Freitag in der "O2 World on Tour" auf dem Heiligengeistfeld. Ich wusste schon, warum ich diesem Veranstaltungsort skeptisch gegenüberstand. Direkt nach dem Einlass ging's los: "Hallo, zeigst du uns mal dein Handy?" "Nein?!?". Die nächsten wollten mir ein Schlüsselband in die Hand drücken und redeten was von "einen Mazda gewinnen". "Hallo, willst du ein Foto machen? Das kommt dann auf einen Button!" Nein, will ich NICHT!! Ich will hier nur Konzerte sehen, lasst mich in Ruhe!!!
Die erste Band waren Broken Records aus Schottland. Ich kannte deren Musik vorher nicht, wusste nur, dass sie auf dem Haldern begeistern konnten. Schon beim ersten Song war aber klar: Das ist keine Sitzband. Zum Glück rief die Band nach dem zweiten Lied dazu auf, aufzustehen und nach vorne zu kommen. Der Messehallencharme der O2 World wurde vom Sänger übrigens so kommentiert: "Ich fühle mich, als müsste ich gleine eine Power Point Präsentation halten". Broken Records gefielen mir sehr gut, bei der nächsten Gelegenheit muss ich mal in das Album reinhören.
Danach kam der Grund, warum ich mir die O2 World überhaupt angetan hatte: Niels Frevert. Der Gute spielte (wie schon beim Konzert im St. Pauli Theater im Frühjahr) mit Streichern. Und wieder war es unglaublich toll. Gerade die Lieder von "Du kannst mich an der Ecke rauslassen" klingen mit Streicherbegleitung so wunderschön. Die Setlist war meiner Meinung nach die gleiche wie im St. Pauli Theater. Nur das Udo Lindenberg Cover "Ein Herz kann man nicht reparieren" spielt er nicht, das war auch auf der Setlist durchgestrichen. Schade. Niels sprach relativ wenig mit dem Publikum, freute sich aber, dass so viele da waren und fand die O2 World auch doof: "Hoffentlich ist das Bier nicht so teuer". Nee, die Preise gingen eigentlich.

Nach dem Konzert machte ich mich schnell auf Richtung Docks - Verzeihung - D-Club, da ich unbedingt Emiliana Torrini sehen wollte. Dort angekommen, bekam ich noch die letzten Lieder von Maplewood mit. Das war nun aber überhaupt nicht meins. Astreine Ü-50-Mucke mit gegniedelten Gitarrensoli und einem dicklichen Bassisten mit fisseligem Schamhaarbart. Igitt. Und vor allem auch unglaublich langweilig.
Zu Emiliana Torrini wurde es - wie befürchtet - richtig voll. Die unglaublich sympatische Isländerin überraschte erstmal den Großteil der Besucher mit ihren Deutschkenntnissen. Emiliana Torrini spielte viele songs von "Me and Armini", aber auch "Sunnyroad", "Today has been okay" und "Nothing brings me down" vom zweiten Album "Fisherman's Woman". Nachdem sie beim letztjährigen Konzert kein Song vom ersten Album "Love in the time of science" spielte, machte sie mir dieses Mal mit "To be free" und "Tuna fish" eine riesengroße Freude.
Wie befürchtet waren die meisten nur wegen "Jungle Drum" da. Als die ersten Töne erklangen, ging ein Ruck durch die -teilweise etwas gelangweilt wirkende- Menge und es wurde gesungen und getanzt. Zum Glück waren aber doch einige Leute im Publikum, die auch ihre älteren songs kannten und zu würdigen wussten. Insgesamt war das Publikum nicht ganz so schlimm wie befürchtet, das Konzert im Stage Club im letzten Jahr hat mir aber trotzdem noch besser gefallen.

Am Samstag "musste" ich schon wieder in die O2 World um dort Hello Saferide und Jose Gonzales zu schauen. Zwei Bands, bzw. Sänger, die ich noch nie live gesehen habe!
Hello Saferide begannen ihr Konzert mit "Lund" und "2008" vom aktuellen Album "More Modern Short Stories from Hello Saferide". Sie spielten fast alle songs des Albums, was mir zu Gute kam. Besitze ich doch nur dieses Album und kenne die älteren Lieder nicht. Das Konzert hat mir wirklich sehr gut gefallen. Vor allem die Ansagen, die bewirkt haben, dass ich sehr viel mehr auf den Songtext geachtet habe, als ich es normalerweise tue. Was für großartige Lieder diese Band hat! Unter anderem das traurigschöne "Anna", das sie zum Glück auch spielten. Irritierend fand ich nur die Gestik von Sängerin Annika Norlin. Während den songs, die sie nicht auf Gitarre begleitete, hampelte sie schon sehr merkwürdig rum. Auch vor ihrem teilweise etwas irren Blick hatte ich ein bißchen Angst. Ich würde diese Angst aber jederzeit überwinden und mir diese wunderbare Band noch einmal anschauen.

Als nächstes freute ich mich auf Jose Gonzales, den alten Schweden. Die O2 World war gerappelt voll, als er ganz alleine die Bühne betrat und sich mit seiner Gitarre in das blaue Scheinwerferlicht setzte. Jose Gonzales ist einer der Sänger, bei denen ich mir die Songtitel einfach nicht merken kann. Welche Lieder er genau gespielt hat, kann ich also nicht sagen. Auf jeden Fall waren das wunderschöne "Heartbeats" und das Massive Attack Cover "Teardrop" dabei. Haaach!! Leider bekam der Gute ausgerechnet bei Heartbeats einen kleinen Hustenanfall, aber das konnte dieses großrtige Lied auch nicht verderben. Schön, einfach nur schön! Zum Glück lauschte das Publikum andächtig und niemand störte mit Gesabbel.

Nach dem Konzert machte ich mich gleich auf zum Docks, die ewig lange Schlange vor dem Club lies aber leider alle meine Hoffnungen sterben, die Editors sehen zu können. Na gut, es gab ja genug gutes Alternativprogramm. Also auf in Richtung Große Freiheit! Dort angekommen, sah ich zusammen mit Steffi und Henning, die ich unterwegs getroffen hatte, noch die letzten Lieder von Tele.
Um 00:15 betraten Kante die Bühne und begannen ihr Konzert mit "Die Tiere sind unruhig" und "Ich hab's gesehen". Meine beiden Lieblingslieder vom letzten Album! Aus unerklärlichen Gründen, habe ich eben dieses (und auch die anderen Alben) schon ewig lange nicht mehr gehört. Schande! Wie konnte ich so vergessen, was Kante für eine großartige Band ist?! "Die mächtige Kante" wie Thees Uhlmann so schön sagt.
Kante erzählen zwischendurch, dass sie zurzeit in Dresden das Theaterstück "Wilhelm Meisters Lehrjahre" musikalisch begleiten. Das klingt spannend, allerdings werde ich in der nächsten Zeit wohl nicht nach Dresden kommen, um mir das anzuschauen.
Leider war ich von dem Wochenende und den ganzen Konzerten so unfassbar müde und kaputt, dass ich Kante nicht bis zum Ende geschaut habe. Mein Bett rief einfach zu laut nach mir.

Fazit: Das Reeperbahnfestival war wirklich super. Ich habe tolle Bands gesehen, dabei liebe Leute getroffen und es hat fast alles so geklappt, wie ich mir das vorher überlegt hatte. Dass ich Editors nicht sehen konnte und die O2 World so doof war, war zu verkraften.
Im nächsten Jahr bin ich wieder dabei.

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