3 sehr tolle Bücher und ein sehr doofes habe ich im Juli gelesen:
1. Christoph Peters - Mitsukos Restaurant (btb, 416 Seiten)
Solange sie sich erinnern können, sind die beiden Freunde Achim und Wolf Japan- Fans. Da entdecken sie eines Tages in einem rustikalen Vereinsheim am Mittelrhein ein japanisches Spitzenrestaurant. Und dessen geheimnisvolle Chefin Mitsuko. Eine subtil komische Geschichte über die schwärmerische Suche nach strenger Schönheit, purem Genuss und dem ganz Anderen in Gestalt einer Frau nimmt ihren Lauf …
Eigentlich verlaufe ich mich in den Bücherhallen nicht in die "Frauen/Liebesromanabteilung". Bei meinem letzten Besuch war leider kein Buch von meiner Liste vorrätig und auch sonst sprang mir nichts in die Augen. Also doch mal in besagte Abteilung, vielleicht läuft mir da ja doch etwas Lesenwertes über den Weg. Und tatsächlich! "Mitsukos Restaurant" liest sich toll, die Hauptperson Achim wächst dem Leser sehr ans Herz und nebenbei erfährt man einiges über die japanische (Tee-)kultur. Nur sollte ich den Bücherhallen mal sagen, dass sie das Buch in die falsche Abteilung gestellt haben. Eine klassische Liebesgeschichte ist es nämlich eigentlich nicht, ohne zu viel verraten zu wollen. :) Note: 2
2. Terézia Mora - Der letzte Mann auf dem Kontinent (btb, 384 Seiten)
„Der einzige Mann auf dem Kontinent“ erzählt eine Woche im Leben von Darius Kopp. Er ist Anfang vierzig, verheiratet und einziger Vertreter einer US-amerikanischen Firma für drahtlose Netzwerke. Darius sieht sich als Gewinner der neuen Zeit. Er stammt aus der DDR, war als Informatiker nach deren Zusammenbruch ein gefragter Mann und legt Wert darauf, ein zufriedener Mensch zu sein. In letzter Zeit laufen die Geschäfte allerdings mehr schlecht als recht. Eines Tages lässt ein säumiger Kunde eine Pappschachtel mit Geld in seinem Büro liegen. In der Folge versucht Darius Kopp vergeblich, einen seiner Chefs in London oder Los Angeles zu erreichen, um zu beraten, was mit dem Geld geschehen soll. Fast scheint es, als gebe es die Firma überhaupt nicht mehr. Darius Kopp leidet zunehmend unter dem Verlust seiner Sicherheiten, doch er kann dies weder sich gegenüber zugeben, noch will er Flora, seine hypersensible Frau, damit belasten. Denn Flora findet sich in ihrem Leben nur schwer zurecht. Nicht nur in seinem Beruf, muss Darius schließlich erkennen, kämpft er um das nackte Überleben, auch seine Ehe, die Liebe seines Lebens, droht vor dem Aus zu stehen.
Großartig. Mein erstes Buch von Terézia Mora, aber ganz sicher nicht das letzte. Der Schreibstil ist etwas gewöhnungsbedürftig, man liest quasi einen ewigen Gedankenstrom von Darius Kopp. Wenn man sich daran gewöhnt hat, macht das Lesen aber sehr viel Spaß. Darius ist ein Meister der Prokastrination, lenkt sich mit Cappuccino mit Extrazucker von der Arbeit ab und dehnt seine Mittagspausen, in denen er sich mit Kunden oder Freunden trifft, gerne etwas aus. Den letzten Monat hat er eigentlich gar nicht gearbeitet, sondern mit seinem Kumpel Juri den Sommer und das Leben genossen. Merkt ja keiner! Wer würde sich darin nicht wieder erkennen? Note: 1
3. Sebastian Fitzek - Der Augensammler (Knaur, 464 Seiten)
Erst tötet er die Mutter, dann verschleppt er das Kind und gibt dem Vater 45 Stunden Zeit für die Suche. Das ist seine Methode. Nach Ablauf der Frist stirbt das Opfer in seinem Versteck. Doch damit ist das Grauen nicht vorbei: Den aufgefundenen Leichen fehlt jeweils das linke Auge. Bislang hat der »Augensammler« keine brauchbare Spur hinterlassen. Da meldet sich eine mysteriöse Zeugin: Alina Gregoriev, eine blinde Physiotherapeutin, die behauptet, durch bloße Körperberührungen in die Vergangenheit ihrer Patienten sehen zu können. Und gestern habe sie womöglich den Augensammler behandelt …
Mein erstes Buch von Sebastian Fitzek und ganz sicher mein letztes. Mei, was für ein Schmarrn. Hätte meine Kollegin es nicht empfohlen und geliehen, wäre ich eh nicht auf die Idee gekommen, es zu lesen. Die immer wieder billig erzeugte Spannung a la "Sie ahnte noch nicht, dass sie diesen Fehler bald bereuen sollte..." hat mich irgendwann so genervt, dass ich nicht mal mehr das Ende spannend fand. Dazu die blinde Zeugin mit ihren übersinnlichen Fähigkeiten, der überflüssige One Night Stand mit der männlichen Hauptperson, och nö! Hätte ich nicht einen Großteil während der Arbeit gelesen *hust*, würde ich mich über die verschenkte Lebenszeit ärgern. Note: 5
4. Jussi Adler Olsen - Erlösung (dtv, 587 Seiten)
Der Hilfeschrei im Inneren einer verwitterten Flaschenpost blieb jahrelang unentdeckt. Dann landet die Botschaft im Sonderdezernat Q für unaufgeklärte Fälle. Ihre mühsame Entzifferung führt Carl Mørck und seinen Assistenten Assad auf die Spur eines entsetzlichen Verbrechens: Der Hilfeschrei, mit menschlichem Blut geschrieben, ist offenbar das letzte Lebenszeichen zweier Jungen, die Jahre zuvor entführt worden waren. Doch wer sind diese Jungen? Warum haben ihre Eltern nie eine Vermisstenanzeige aufgegeben? Sind sie womöglich noch am Leben? Bald steht fest: der Täter läuft noch immer frei herum …
Der dritte Band der Reihe um Carl Mørck und seine beide Assistenten Assad und Rose war wieder sehr spannend und fesselnd. Neben dem Fall, der dieses Mal im Umfeld diverser dänischer Sekten spielt, lebt das Buch von den etwas merkwürdigen, aber sehr liebenswerten Charakteren. Die recht schnodderig geschriebenem Carl Mørck Kapitel sind vom Stil her manchmal ein bißchen nervig, das mag aber auch an der Übersetzung liegen. Assad wirft nach wie vor Rätsel auf und Rose wird zwischendurch von ihrer "Schwester" Yrsa vertreten. Ich bin gespannt und freue mich auf den vierten Band, wann auch immer er erscheinen wird.... Note: 2+
Montag, 1. August 2011
Montag, 18. Juli 2011
Das verstehe ich nicht.
Vorletzten Sonntag bei der Arbeit:
"Haben Sie die "News of the World?"
"Nein, haben wir nicht. Am Hauptbahnhof bekommen Sie die aber."
"Dann ist ja gut. Da erscheint ja heute die letzte Ausgabe, die MUSS man ja haben!"
Das verstehe ich nicht. Wieso MUSS ich die letzte Ausgabe einer englischen Sonntagszeitung haben, die ich wahrscheinlich noch nie in meinem Leben gelesen und von deren Existenz ich wahrscheinlich erst vor kurzem erfahren habe? Weil darüber diskutiert wird? Damit ich die Zeitung beim nächsten Dinner mit Freunden hervor holen und mich für die super Idee, die letzte, die allerletzte Ausgabe der Zeitung gekauft zu haben, beneiden lassen kann?
Am Inhalt kann es meiner Meinung nach nicht liegen, denn die "News of the World" ist für einen Deutschen wahrscheinlich ähnlich interessant wie die "Bild am Sonntag" für einen Engländer.
Vielleicht tue ich den Käufern auch Unrecht.
Vielleicht denke ich aber auch darüber nach, ob man eine Zeitung, die sich so höchst fragwürdigen Praktiken wie dem Hacken und Abhören von Mobiltelefonen bedient hat, durch den Kauf unterstützen sollte.
Bis März dieses Jahres haben wir die "News of the World" übrigens tatsächlich verkauft. Bzw nicht verkauft, denn da wir das EINE gelieferte Exemplar öfter remittiert als verkauft haben, wurde sie bei uns aus dem Sortiment gestrichen. :)
"Haben Sie die "News of the World?"
"Nein, haben wir nicht. Am Hauptbahnhof bekommen Sie die aber."
"Dann ist ja gut. Da erscheint ja heute die letzte Ausgabe, die MUSS man ja haben!"
Das verstehe ich nicht. Wieso MUSS ich die letzte Ausgabe einer englischen Sonntagszeitung haben, die ich wahrscheinlich noch nie in meinem Leben gelesen und von deren Existenz ich wahrscheinlich erst vor kurzem erfahren habe? Weil darüber diskutiert wird? Damit ich die Zeitung beim nächsten Dinner mit Freunden hervor holen und mich für die super Idee, die letzte, die allerletzte Ausgabe der Zeitung gekauft zu haben, beneiden lassen kann?
Am Inhalt kann es meiner Meinung nach nicht liegen, denn die "News of the World" ist für einen Deutschen wahrscheinlich ähnlich interessant wie die "Bild am Sonntag" für einen Engländer.
Vielleicht tue ich den Käufern auch Unrecht.
Vielleicht denke ich aber auch darüber nach, ob man eine Zeitung, die sich so höchst fragwürdigen Praktiken wie dem Hacken und Abhören von Mobiltelefonen bedient hat, durch den Kauf unterstützen sollte.
Bis März dieses Jahres haben wir die "News of the World" übrigens tatsächlich verkauft. Bzw nicht verkauft, denn da wir das EINE gelieferte Exemplar öfter remittiert als verkauft haben, wurde sie bei uns aus dem Sortiment gestrichen. :)
Donnerstag, 7. Juli 2011
Horses in my dreams
Nein, Pferde sind es nicht, es sind S-Bahnen!
Was schreibt die verwirrte Frau da?
Ich liebe meine Träume. Sie sind völlig unspektakulär und sehr realistisch. Vor kurzem fiel mir auf, dass sich etwas geändert hat. Fast jede Nacht fahre ich im Traum mit der Hamburger S-Bahn. :)
Das ist insofern kein Wunder, wenn man überlegt, dass ich das seit 4,5 Jahren im wachen Zustand täglich mache. Interessant finde ich aber, dass ich in Hamburg anscheinend so sehr angekommen bin, dass meine Träume nun auch in der Stadt spielen. Das gefällt mir!
Was schreibt die verwirrte Frau da?
Ich liebe meine Träume. Sie sind völlig unspektakulär und sehr realistisch. Vor kurzem fiel mir auf, dass sich etwas geändert hat. Fast jede Nacht fahre ich im Traum mit der Hamburger S-Bahn. :)
Das ist insofern kein Wunder, wenn man überlegt, dass ich das seit 4,5 Jahren im wachen Zustand täglich mache. Interessant finde ich aber, dass ich in Hamburg anscheinend so sehr angekommen bin, dass meine Träume nun auch in der Stadt spielen. Das gefällt mir!
Sonntag, 3. Juli 2011
Und noch mehr Bücher...
Edgar Rai - Nächsten Sommer (Aufbau, 236 Seiten)
Und am Ende der Straße steht ein Haus am Meer. Was ist das Leben? Eine Wundertüte? Eine Losbude mit zu vielen Nieten? Kleines Drama oder großes Kino? – Ein wunderbar sehnsuchtsvolles und witziges Roadmovie, das den Sommer, die Freiheit und die Liebe atmet.
Genau die richtige Mischung aus Leichtigkeit und Melancholie, die ich so mag. Ich habe das Buch sehr gerne und am perfekten Ort gelesen (Im strahlenden Sonnenschein an meinem Lieblingsplatz an der Elbe). Note: 1
Ingrid Hedström - Die toten Mädchen von Villette (Suhrkamp 402 Seiten)
Villette, Belgien, 24. Juni 1994: Drei junge Mädchen stöckeln nachts von der Johannisprozession durch den Wald in ihr Heimatdorf zurück. Kurze Zeit später werden die jungen Frauen tot aufgefunden. Ein junger Mann aus der Gegend hatte die Teenager in seinem Wagen mitgenommen. Was nach einem einfachen Fall für die junge Ermittlungsrichterin Martine Poirot aussieht, entwickelt sich bald zur gefährlichen Suche nach einem Serienmörder, die zurückführt in die Zeit der Kollaboration, zu der dunklen Geschichte zweier junger Widerstandskämpferinnen, Renée und Simone, und Poirot mit einem dunklen Kapitel ihrer eigenen Familiengeschichte konfrontiert, denn Renée war Poirots Mutter...
Das Buch fing spannend an und las sich ingesamt sehr gut. Allerdings ist mir etwas passiert, was sonst beim Krimi lesen nie passiert: Ich bin von alleine auf den Mörder gekommen. Danach hat es nur noch halb so viel Spaß gemacht... Note: 3
Gisa Klönne - Der Wald ist Schweigen (Ullstein, 400 Seiten)
Gisa Klönne - Unter dem Eis (Ullstein, 368 Seiten)
Gisa Klönne - Nacht ohne Schatten (Ullstein, 384 Seiten)
Gisa Klönne - Farben der Schuld (Ullstein, 384 Seiten)
Nachdem ich die Krimireihe um die Kommissarin Judith Krieger gelesen habe, verstehe ich endgültig, warum solche Serien so beliebt sind. Genau wie bei Nele Neuhaus sind die Kriminalfälle nicht wahnsinnig raffiniert, nach und nach wachsen einem die Hauptpersonen aber so sehr ans Herz, dass man ein Buch nach dem anderen lesen möchte. Der fünfte Band erscheint im Herbst, ich freu mich schon drauf!
Siri Hustvedt - Der Sommer ohne Männer (Rowohlt, 304 Seiten)
«Eine Weile nachdem er das Wort Pause ausgesprochen hatte, drehte ich durch und landete im Krankenhaus. Die Pause war eine Französin. Natürlich war sie jung, und ich vermute, dass Boris schon lange scharf auf seine Kollegin gewesen war, bevor er sich auf ihre signifikanten. Bereiche stürzte ...»
Siri Hustvedts gehört seit "Was ich liebte" zu meinen Lieblingsautorinnen. Mit ihrem neuen Buch konnte ich nicht so viel anfangen. Es war schön zu lesen, klar. Vielleicht bin ich auch einfach zu jung um mich in eine 55-jährige Frau und ihre Eheprobleme einzufühlen.. ;-) Note: 3
Helge Schneider - Bonbon aus Wurst - Mein Leben (Kiwi, 160 Seiten)
"Da nicht nur Hartmut Beck von der SPD Rheinland-Württemberg seine Memoiren noch einmal verändert hat, habe auch ich mich entschlossen, meinen Lebenslauf noch einmal zu überdenken. Ich habe 1992 bereits handgeschriebene Erinnerungen vorgelegt, die aber aufgrund meines damaligen Zeitmangels und meiner Beschränktheiten zum größten Teil auf erfundenen Lügenmärchen basierten. Jetzt ist es an der Zeit aufzuräumen. "
Der totale Scheiß, natürlich. Aber wer Helge Schneider mag, wird auch dieses Buch lieben. Ich fands großartig. :)
Und am Ende der Straße steht ein Haus am Meer. Was ist das Leben? Eine Wundertüte? Eine Losbude mit zu vielen Nieten? Kleines Drama oder großes Kino? – Ein wunderbar sehnsuchtsvolles und witziges Roadmovie, das den Sommer, die Freiheit und die Liebe atmet.
Genau die richtige Mischung aus Leichtigkeit und Melancholie, die ich so mag. Ich habe das Buch sehr gerne und am perfekten Ort gelesen (Im strahlenden Sonnenschein an meinem Lieblingsplatz an der Elbe). Note: 1
Ingrid Hedström - Die toten Mädchen von Villette (Suhrkamp 402 Seiten)
Villette, Belgien, 24. Juni 1994: Drei junge Mädchen stöckeln nachts von der Johannisprozession durch den Wald in ihr Heimatdorf zurück. Kurze Zeit später werden die jungen Frauen tot aufgefunden. Ein junger Mann aus der Gegend hatte die Teenager in seinem Wagen mitgenommen. Was nach einem einfachen Fall für die junge Ermittlungsrichterin Martine Poirot aussieht, entwickelt sich bald zur gefährlichen Suche nach einem Serienmörder, die zurückführt in die Zeit der Kollaboration, zu der dunklen Geschichte zweier junger Widerstandskämpferinnen, Renée und Simone, und Poirot mit einem dunklen Kapitel ihrer eigenen Familiengeschichte konfrontiert, denn Renée war Poirots Mutter...
Das Buch fing spannend an und las sich ingesamt sehr gut. Allerdings ist mir etwas passiert, was sonst beim Krimi lesen nie passiert: Ich bin von alleine auf den Mörder gekommen. Danach hat es nur noch halb so viel Spaß gemacht... Note: 3
Gisa Klönne - Der Wald ist Schweigen (Ullstein, 400 Seiten)
Gisa Klönne - Unter dem Eis (Ullstein, 368 Seiten)
Gisa Klönne - Nacht ohne Schatten (Ullstein, 384 Seiten)
Gisa Klönne - Farben der Schuld (Ullstein, 384 Seiten)
Nachdem ich die Krimireihe um die Kommissarin Judith Krieger gelesen habe, verstehe ich endgültig, warum solche Serien so beliebt sind. Genau wie bei Nele Neuhaus sind die Kriminalfälle nicht wahnsinnig raffiniert, nach und nach wachsen einem die Hauptpersonen aber so sehr ans Herz, dass man ein Buch nach dem anderen lesen möchte. Der fünfte Band erscheint im Herbst, ich freu mich schon drauf!
Siri Hustvedt - Der Sommer ohne Männer (Rowohlt, 304 Seiten)
«Eine Weile nachdem er das Wort Pause ausgesprochen hatte, drehte ich durch und landete im Krankenhaus. Die Pause war eine Französin. Natürlich war sie jung, und ich vermute, dass Boris schon lange scharf auf seine Kollegin gewesen war, bevor er sich auf ihre signifikanten. Bereiche stürzte ...»
Siri Hustvedts gehört seit "Was ich liebte" zu meinen Lieblingsautorinnen. Mit ihrem neuen Buch konnte ich nicht so viel anfangen. Es war schön zu lesen, klar. Vielleicht bin ich auch einfach zu jung um mich in eine 55-jährige Frau und ihre Eheprobleme einzufühlen.. ;-) Note: 3
Helge Schneider - Bonbon aus Wurst - Mein Leben (Kiwi, 160 Seiten)
"Da nicht nur Hartmut Beck von der SPD Rheinland-Württemberg seine Memoiren noch einmal verändert hat, habe auch ich mich entschlossen, meinen Lebenslauf noch einmal zu überdenken. Ich habe 1992 bereits handgeschriebene Erinnerungen vorgelegt, die aber aufgrund meines damaligen Zeitmangels und meiner Beschränktheiten zum größten Teil auf erfundenen Lügenmärchen basierten. Jetzt ist es an der Zeit aufzuräumen. "
Der totale Scheiß, natürlich. Aber wer Helge Schneider mag, wird auch dieses Buch lieben. Ich fands großartig. :)
Samstag, 2. Juli 2011
In den Monaten davor wurde auch gelesen...
...und zwar:
Martin Suter - Allmen und die Libellen (Diogenes, 194 Seiten)
Allmen, eleganter Lebemann und Feingeist, ist über die Jahre finanziell in die Bredouille geraten. Fünf zauberhafte Jugendstil-Schalen bringen ihn und sein Faktotum Carlos auf eine Geschäftsidee: eine Firma für die Wiederbeschaffung von schönen Dingen. Die Geburt eines ungewöhnlichen Ermittlerduos und der Start einer wunderbaren Krimiserie.
Sehr schön altmodisch und sehr schön typisch Martin Suter. Ich freue mich auf die nächsten Bände! Note: 1
Tom Rachman - Die Unperfekten (dtv, 400 Seiten)
Großartig und unbedingt empfehlenswert! Note: 1
Alex Capus - Léon und Luise (Hanser, 320 Seiten)
Es ist die große Liebe: Léon und Louise begegnen sich an der Atlantikküste im Ersten Weltkrieg, doch dann reißt ein Fliegerangriff die beiden auseinander. Sie halten sich für tot. Léon heiratet, doch Louise, von leidenschaftlichem Temperament, geht ihren eigenen Weg - bis sie sich 1928 zufällig in der Pariser Métro wiederbegegnen. Der Beginn einer hinreißenden Dreiecks-Geschichte, die den Widrigkeiten des Lebens mit Aufrichtigkeit, Humor und Beharrlichkeit standhält.
Eine sehr schöne unkitschige Liebesgeschichte. Von dieser Art dürfte es gerne mehr geben, bitte! Note: 2+
Peter Stamm - Sieben Jahre (btb, 297 Seiten)
Sonja ist schön und intelligent und lebt mit Alex. Eine vorbildliche Ehe, er müsste glücklich sein. Aber wann ist die Liebe schon einfach? Und wie funktioniert das Glück? Iwona wäre neben Sonja fast unsichtbar, sie ist spröde und grau. Aber Alex fühlt sich lebendig bei ihr und weiß nicht, warum. Sie liebt ihn. Er trifft sie immer wieder, und als sie von ihm schwanger wird und das Kind kriegt, das Sonja sich wünscht, setzt er alles aufs Spiel.
Mir fällt gerade auf, dass ich mich nicht erinnere, wie das Buch endete. Ich weiß aber noch, dass es mir gut gefallen hat und ich noch mehr Bücher von Peter Stamm lesen wollte. ;-)
Nele Neuhaus - Mordsfreunde (List, 400 Seiten)
Ein Tierpfleger des Opel-Zoos im Taunus macht eine grausige Entdeckung: im Elefantengehege liegt eine menschliche Hand. Die dazu gehörige Leiche finden Kommissar Oliver von Bodenstein und seine Kollegin Pia Kirchhoff von der Hofheimer Kripo in einer frisch gemähten Wiese gegenüber dem Zoogelände. Der Tote war ein Lehrer und vehementer Umweltschützer, der wegen seines Charismas von vielen Schülern glühend verehrt wurde - und von einigen Einwohnern der Stadt ebenso sehr gehasst. Doch liegt hier das Motiv für einen Mord?
In den ersten Büchern von Nele Neuhaus gibt es einfach viel zu viele Personen und Verwicklungen, so dass man leicht den Überblick verliert. Im 4. und 5. Band wird es etwas besser, immerhin. Aber hey, gute, leichte Unterhaltung! Note: 3+
Christoph Twickel - Gentrifidingsbums oder eine Stadt für alle (Edition Nautilus, 128 Seiten)
Wenn draußen nur noch das leise Raspeln von Rollkoffern auf dem Pflaster zu hören ist, wo sich früher die Nachbarn mit der Hupe rausgeklingelt haben; wenn das Bauschild vor dem Apartment-Rohbau das Viertel als »bunt und frech« anpreist; wenn die Suche nach einem WG-Zimmer zur Castingshow wird; wenn die Ballonseidenanzug-Träger an den Stadtrand ziehen; wenn der türkische Elektrohöker einem Flagshipstore weicht und selbst nachts um halb zwei noch Leute mit aufgeklapptem Macbook in der Bar sitzen: Dann ist es allerhöchste Zeit, sich Gedanken zum Thema Gentrifizierung zu machen.
Gentrifizierung ist in Hamburg an allen Ecken zu beobachten und man ist ständig hin und hergerissen. Ja, ich habe mich tatsächlich darüber gefreut, dass das hässliche Frappantgebäude abgerissen wird und IKEA mitten in Altona baut. Die Neue Große Bergstraße ist ein hässliches Pflaster. Aber was passiert, wenn IKEA da ist und Applestores und Co nach sich zieht? Die Mieten werden steigen und der letzte zentrale Stadtteil mit humanen Mieten wird für viele alteingesessene Bewohner unbezahlbar werden. Gentrifizierung Olé Olé!
Ein sehr interessantes Buch, das aber leider zeigt, dass gegen Gentrifizierung eigentlich kein Kraut gewachsen ist.
Tino Hanekamp - Sowas von da (Kiepenheuer & Witsch, 288 Seiten)
Hamburg, St. Pauli, 31.12. Auf dem Kiez beginnt die irrste Nacht des Jahres. Nur Oskar Wrobel würde lieber liegen bleiben. Geht aber nicht. Weil ihm gleich sein Leben um die Ohren fliegt. Doch es kommt noch schlimmer ... Oskar Wrobel betreibt einen Musikclub in einem alten Krankenhaus am Ende der Reeperbahn. Seine Freunde sind seltsam, aber großartig. Die Mädchen mögen ihn. Sein Leben ist ein Fest. Doch jetzt sieht es aus, als ob es zu Ende wäre. Denn während in den Straßen von St. Pauli die Böller explodieren, laufen die Vorbereitungen für die große Abrissparty. Oskar hat Schulden und keine Ahnung, was aus ihm werden soll. Zum Glück bleibt ihm kaum Zeit, darüber nachzudenken, denn ein verzweifelter Ex-Zuhälter stürmt seine Wohnung, sein bester Freund zerbricht am Ruhm, die lebenslustige Nina malt alles schwarz an, im Club geht's drunter und drüber, und dann sind da noch der tote Elvis, die Innensenatorin und - Mathilda, Mathilda, Mathilda. Während der Held der Geschichte versucht, auf den Beinen zu bleiben, stellt er sich folgende Fragen: Was soll das? Warum? Und wie wird man ein guter Mensch?
Eines meiner Highlights des Jahres! Es passiert eigentlich viel zu viel, es ist alles völlig absurd, aber einfach nur großartig. Oder, um Heinz Strunk zu zitieren: "So sollte jede Party sein. Ich wäre dabei." Note: 1
So, das war erstmal Teil 1. Es ist wirklich eine ganz schlechte Idee, die gelesenen Bücher so lange aufzuschieben, bis man sich nur noch daran erinnert, ob sie gut oder schlecht waren. Ich werde mir wieder mehr Mühe geben, versprochen. :)
Martin Suter - Allmen und die Libellen (Diogenes, 194 Seiten)
Allmen, eleganter Lebemann und Feingeist, ist über die Jahre finanziell in die Bredouille geraten. Fünf zauberhafte Jugendstil-Schalen bringen ihn und sein Faktotum Carlos auf eine Geschäftsidee: eine Firma für die Wiederbeschaffung von schönen Dingen. Die Geburt eines ungewöhnlichen Ermittlerduos und der Start einer wunderbaren Krimiserie.
Sehr schön altmodisch und sehr schön typisch Martin Suter. Ich freue mich auf die nächsten Bände! Note: 1
Tom Rachman - Die Unperfekten (dtv, 400 Seiten)
Was, wenn ein Zeitungserbe seinem Basset mehr Interesse entgegenbringt als dem Schicksal seines Blattes? Was wird aus der unglückseligen Ruby (alleinstehend, immer auf der Suche nach dem Mann fürs Leben)? Aus Ed, der gefeuert wird und sich an der zuständigen Sachbearbeiterin (alleinerziehend, drei Kinder und keine Zeit für die Liebe) rächt? Aus der Chefredakteurin Kathleen (verheiratet mit einem Weichei und verliebt in einen anderen)? Und aus Lloyd, der, einsam wie ein Straßenhund, aus Not eine Story erfindet und auffliegt?
Großartig und unbedingt empfehlenswert! Note: 1
Alex Capus - Léon und Luise (Hanser, 320 Seiten)
Es ist die große Liebe: Léon und Louise begegnen sich an der Atlantikküste im Ersten Weltkrieg, doch dann reißt ein Fliegerangriff die beiden auseinander. Sie halten sich für tot. Léon heiratet, doch Louise, von leidenschaftlichem Temperament, geht ihren eigenen Weg - bis sie sich 1928 zufällig in der Pariser Métro wiederbegegnen. Der Beginn einer hinreißenden Dreiecks-Geschichte, die den Widrigkeiten des Lebens mit Aufrichtigkeit, Humor und Beharrlichkeit standhält.
Eine sehr schöne unkitschige Liebesgeschichte. Von dieser Art dürfte es gerne mehr geben, bitte! Note: 2+
Peter Stamm - Sieben Jahre (btb, 297 Seiten)
Sonja ist schön und intelligent und lebt mit Alex. Eine vorbildliche Ehe, er müsste glücklich sein. Aber wann ist die Liebe schon einfach? Und wie funktioniert das Glück? Iwona wäre neben Sonja fast unsichtbar, sie ist spröde und grau. Aber Alex fühlt sich lebendig bei ihr und weiß nicht, warum. Sie liebt ihn. Er trifft sie immer wieder, und als sie von ihm schwanger wird und das Kind kriegt, das Sonja sich wünscht, setzt er alles aufs Spiel.
Mir fällt gerade auf, dass ich mich nicht erinnere, wie das Buch endete. Ich weiß aber noch, dass es mir gut gefallen hat und ich noch mehr Bücher von Peter Stamm lesen wollte. ;-)
Nele Neuhaus - Mordsfreunde (List, 400 Seiten)
Ein Tierpfleger des Opel-Zoos im Taunus macht eine grausige Entdeckung: im Elefantengehege liegt eine menschliche Hand. Die dazu gehörige Leiche finden Kommissar Oliver von Bodenstein und seine Kollegin Pia Kirchhoff von der Hofheimer Kripo in einer frisch gemähten Wiese gegenüber dem Zoogelände. Der Tote war ein Lehrer und vehementer Umweltschützer, der wegen seines Charismas von vielen Schülern glühend verehrt wurde - und von einigen Einwohnern der Stadt ebenso sehr gehasst. Doch liegt hier das Motiv für einen Mord?
In den ersten Büchern von Nele Neuhaus gibt es einfach viel zu viele Personen und Verwicklungen, so dass man leicht den Überblick verliert. Im 4. und 5. Band wird es etwas besser, immerhin. Aber hey, gute, leichte Unterhaltung! Note: 3+
Christoph Twickel - Gentrifidingsbums oder eine Stadt für alle (Edition Nautilus, 128 Seiten)
Wenn draußen nur noch das leise Raspeln von Rollkoffern auf dem Pflaster zu hören ist, wo sich früher die Nachbarn mit der Hupe rausgeklingelt haben; wenn das Bauschild vor dem Apartment-Rohbau das Viertel als »bunt und frech« anpreist; wenn die Suche nach einem WG-Zimmer zur Castingshow wird; wenn die Ballonseidenanzug-Träger an den Stadtrand ziehen; wenn der türkische Elektrohöker einem Flagshipstore weicht und selbst nachts um halb zwei noch Leute mit aufgeklapptem Macbook in der Bar sitzen: Dann ist es allerhöchste Zeit, sich Gedanken zum Thema Gentrifizierung zu machen.
Gentrifizierung ist in Hamburg an allen Ecken zu beobachten und man ist ständig hin und hergerissen. Ja, ich habe mich tatsächlich darüber gefreut, dass das hässliche Frappantgebäude abgerissen wird und IKEA mitten in Altona baut. Die Neue Große Bergstraße ist ein hässliches Pflaster. Aber was passiert, wenn IKEA da ist und Applestores und Co nach sich zieht? Die Mieten werden steigen und der letzte zentrale Stadtteil mit humanen Mieten wird für viele alteingesessene Bewohner unbezahlbar werden. Gentrifizierung Olé Olé!
Ein sehr interessantes Buch, das aber leider zeigt, dass gegen Gentrifizierung eigentlich kein Kraut gewachsen ist.
Tino Hanekamp - Sowas von da (Kiepenheuer & Witsch, 288 Seiten)
Hamburg, St. Pauli, 31.12. Auf dem Kiez beginnt die irrste Nacht des Jahres. Nur Oskar Wrobel würde lieber liegen bleiben. Geht aber nicht. Weil ihm gleich sein Leben um die Ohren fliegt. Doch es kommt noch schlimmer ... Oskar Wrobel betreibt einen Musikclub in einem alten Krankenhaus am Ende der Reeperbahn. Seine Freunde sind seltsam, aber großartig. Die Mädchen mögen ihn. Sein Leben ist ein Fest. Doch jetzt sieht es aus, als ob es zu Ende wäre. Denn während in den Straßen von St. Pauli die Böller explodieren, laufen die Vorbereitungen für die große Abrissparty. Oskar hat Schulden und keine Ahnung, was aus ihm werden soll. Zum Glück bleibt ihm kaum Zeit, darüber nachzudenken, denn ein verzweifelter Ex-Zuhälter stürmt seine Wohnung, sein bester Freund zerbricht am Ruhm, die lebenslustige Nina malt alles schwarz an, im Club geht's drunter und drüber, und dann sind da noch der tote Elvis, die Innensenatorin und - Mathilda, Mathilda, Mathilda. Während der Held der Geschichte versucht, auf den Beinen zu bleiben, stellt er sich folgende Fragen: Was soll das? Warum? Und wie wird man ein guter Mensch?
Eines meiner Highlights des Jahres! Es passiert eigentlich viel zu viel, es ist alles völlig absurd, aber einfach nur großartig. Oder, um Heinz Strunk zu zitieren: "So sollte jede Party sein. Ich wäre dabei." Note: 1
So, das war erstmal Teil 1. Es ist wirklich eine ganz schlechte Idee, die gelesenen Bücher so lange aufzuschieben, bis man sich nur noch daran erinnert, ob sie gut oder schlecht waren. Ich werde mir wieder mehr Mühe geben, versprochen. :)
Freitag, 1. Juli 2011
Nina hat im Juni gelesen...
Ja, sie lebt und liest noch! Sie war nur zu faul in den letzten Monaten, gelobt aber Besserung!
1. Jean-Philippe Toussaint - Das Badezimmer (btb, 128 Seiten)
Ein junger Mann trifft einen folgenreichen Entschluss: Ab jetzt will er sein Leben nur noch in der Badewanne verbringen. Dort liest er Bücher, geht seinen Gedanken nach. Und registriert interessiert, was um ihn herum passiert. Eines Tages reist er überstürzt nach Venedig, was der Beziehung zu seiner Frau aber auch nicht hilft. Also kehrt er wieder zurück. Oder hat er die Badewanne nie verlassen …
Nachdem ich in der letzten Zeit fast ausschließlich Krimis und eher leichtere Unterhaltung gelesen habe, tat ein Buch aus der Kategorie "eher anspruchsvoll" mal wieder sehr gut. Schöne Sprache, eine etwas schräge Geschichte und feiner Humor. Note: 2+
2. Jean-Philippe Toussaint - Sich lieben (btb, 160 Seiten)
Da mir "Das Badezimmer" so gut gefallen hat, bin ich gleich bei dem Autor geblieben - den Bücherhallen sei Dank! :) "Sich lieben" ist um einiges trauriger und deprimierender als das "Badezimmer", aber alles andere wäre bei dem Thema auch Fehl am Platz. Höchst interessant fand ich das Fläschen mit Salzsäure, das der Erzähler immer bei sich trägt. Es taucht immer wieder kurz auf und - so viel sei verraten - wird am Ende auch noch benutzt... Note: 2+
3. Jean-Philipe Toussaint - Fliehen (btb, 176 Seiten)
Marie und der namenlose Erzähler haben in Toussaints letztem Roman „Sich lieben“ versucht, sich zu trennen. Nun sucht er sein Heil in der Fremde und reist nach Shanghai, wo er sich in amouröse Verwicklungen verstrickt – kann er vor seiner Liebe, vor Marie fliehen? Ein einziger Anruf wird alles ändern …
"Fliehen" ist der zweite Band der Trilogie um Marie und den namenlosen Erzähler und hat mir leider nicht mehr ganz so gut gefallen wie die beiden vorherigen Bücher des Autors. Die Reise nach China war recht merkwürdig, der Schreibstil des Autors aber immer noch toll. Wen ich den dritten Band (Die Wahrheit über Marie) mal in den Bücherhallen ergattern kann, werde ich ihn sicher mitnehmen. Ansonsten habe ich erstmal genug Toussaint gelesen. :) Note: 3
4. Julia Albrecht / Corinnna Ponto - Patentöchter: Im Schatten der RAF - ein Dialog (Kiepenheuer & Witsch, 240 Seiten)
Ein bewegendes Buch aus der Sicht von zwei Frauen, deren Familien einst eng miteinander verbunden waren und die durch den Mord an Jürgen Ponto auseinandergerissen worden sind. Die Autorinnen werfen einen neuen Blick auf die - bis heute hauptsächlich von Außenstehenden gedeutete - Geschichte der RAF, die Rolle der Täter und die Wunden, die ihre Taten geschlagen haben. 30. Juli 1977: Jürgen Ponto empfängt Susanne Albrecht, die Tochter seines Jugendfreundes Hans-Christian Albrecht, in seinem Haus in Oberursel. Ihre Begleiter Brigitte Mohnhaupt und Christian Klar schießen auf Jürgen Ponto. Corinna, seine Tochter, ist zu diesem Zeitpunkt zwanzig Jahre alt, Julia, Susannes Schwester, dreizehn Jahre. Nach dem Mord war das Band zwischen den Familien durchschnitten. 30 Jahre danach nimmt Julia Albrecht - die Patentochter von Jürgen Ponto - Kontakt auf zu Corinna Ponto - der Patentochter von Hans-Christian Albrecht. Ein Briefwechsel entspinnt sich, eine erste Begegnung findet statt. Im Mittelpunkt ihres Buches stehen die Geschichte der RAF und der Umgang damit, die Fragen nach Schuld und den Hintergründen der Täterschaft, nach den Möglichkeiten von Aufarbeitung und Versöhnung. Und beide Frauen tauschen sich darüber aus, wie man mit den eigenen Kindern über diesen Teil der deutschen Geschichte spricht, der doch auch Teil der Geschichte ihrer Familien ist. - Täter und Opfer der RAF - der erste Dialog von Angehörigen beider Seiten.
Alle Bücher, die ich bisher zum Thema RAF gelesen habe, befassten sich ausschließlich mit den Tätern. Hier kommen nun die Familien der Opfer zu Wort. Corinna Ponto und Julia Albrecht erzählen, wie der Mord an Corinnas Vater ihr Leben verändert haben und wie sie gelernt haben mit den Folgen zu leben. Sehr lesenswert! Note: 1
5. Nele Neuhaus - Wer Wind sät (Ullstein, 560 Seiten)
1. Jean-Philippe Toussaint - Das Badezimmer (btb, 128 Seiten)
Ein junger Mann trifft einen folgenreichen Entschluss: Ab jetzt will er sein Leben nur noch in der Badewanne verbringen. Dort liest er Bücher, geht seinen Gedanken nach. Und registriert interessiert, was um ihn herum passiert. Eines Tages reist er überstürzt nach Venedig, was der Beziehung zu seiner Frau aber auch nicht hilft. Also kehrt er wieder zurück. Oder hat er die Badewanne nie verlassen …
Nachdem ich in der letzten Zeit fast ausschließlich Krimis und eher leichtere Unterhaltung gelesen habe, tat ein Buch aus der Kategorie "eher anspruchsvoll" mal wieder sehr gut. Schöne Sprache, eine etwas schräge Geschichte und feiner Humor. Note: 2+
2. Jean-Philippe Toussaint - Sich lieben (btb, 160 Seiten)
Ein Paar in Tokio, ein anonymes Hotelhochhaus in der schlafenden Stadt. Sie wollen sich trennen. Er, der namenlose Erzähler, der stets ein Fläschchen mit Salzsäure bei sich trägt. Sie, die ewig weinende Marie, erfolgreiche französische Modeschöpferin, die in Tokio eine Ausstellung vorbereitet. Sie lieben sich zum letzten Mal. Wirklich das letzte Mal? Es braucht Zeit, um den Menschen nicht mehr zu lieben, den man nicht mehr liebt …
Da mir "Das Badezimmer" so gut gefallen hat, bin ich gleich bei dem Autor geblieben - den Bücherhallen sei Dank! :) "Sich lieben" ist um einiges trauriger und deprimierender als das "Badezimmer", aber alles andere wäre bei dem Thema auch Fehl am Platz. Höchst interessant fand ich das Fläschen mit Salzsäure, das der Erzähler immer bei sich trägt. Es taucht immer wieder kurz auf und - so viel sei verraten - wird am Ende auch noch benutzt... Note: 2+
3. Jean-Philipe Toussaint - Fliehen (btb, 176 Seiten)
Marie und der namenlose Erzähler haben in Toussaints letztem Roman „Sich lieben“ versucht, sich zu trennen. Nun sucht er sein Heil in der Fremde und reist nach Shanghai, wo er sich in amouröse Verwicklungen verstrickt – kann er vor seiner Liebe, vor Marie fliehen? Ein einziger Anruf wird alles ändern …
"Fliehen" ist der zweite Band der Trilogie um Marie und den namenlosen Erzähler und hat mir leider nicht mehr ganz so gut gefallen wie die beiden vorherigen Bücher des Autors. Die Reise nach China war recht merkwürdig, der Schreibstil des Autors aber immer noch toll. Wen ich den dritten Band (Die Wahrheit über Marie) mal in den Bücherhallen ergattern kann, werde ich ihn sicher mitnehmen. Ansonsten habe ich erstmal genug Toussaint gelesen. :) Note: 3
4. Julia Albrecht / Corinnna Ponto - Patentöchter: Im Schatten der RAF - ein Dialog (Kiepenheuer & Witsch, 240 Seiten)
Ein bewegendes Buch aus der Sicht von zwei Frauen, deren Familien einst eng miteinander verbunden waren und die durch den Mord an Jürgen Ponto auseinandergerissen worden sind. Die Autorinnen werfen einen neuen Blick auf die - bis heute hauptsächlich von Außenstehenden gedeutete - Geschichte der RAF, die Rolle der Täter und die Wunden, die ihre Taten geschlagen haben. 30. Juli 1977: Jürgen Ponto empfängt Susanne Albrecht, die Tochter seines Jugendfreundes Hans-Christian Albrecht, in seinem Haus in Oberursel. Ihre Begleiter Brigitte Mohnhaupt und Christian Klar schießen auf Jürgen Ponto. Corinna, seine Tochter, ist zu diesem Zeitpunkt zwanzig Jahre alt, Julia, Susannes Schwester, dreizehn Jahre. Nach dem Mord war das Band zwischen den Familien durchschnitten. 30 Jahre danach nimmt Julia Albrecht - die Patentochter von Jürgen Ponto - Kontakt auf zu Corinna Ponto - der Patentochter von Hans-Christian Albrecht. Ein Briefwechsel entspinnt sich, eine erste Begegnung findet statt. Im Mittelpunkt ihres Buches stehen die Geschichte der RAF und der Umgang damit, die Fragen nach Schuld und den Hintergründen der Täterschaft, nach den Möglichkeiten von Aufarbeitung und Versöhnung. Und beide Frauen tauschen sich darüber aus, wie man mit den eigenen Kindern über diesen Teil der deutschen Geschichte spricht, der doch auch Teil der Geschichte ihrer Familien ist. - Täter und Opfer der RAF - der erste Dialog von Angehörigen beider Seiten.
Alle Bücher, die ich bisher zum Thema RAF gelesen habe, befassten sich ausschließlich mit den Tätern. Hier kommen nun die Familien der Opfer zu Wort. Corinna Ponto und Julia Albrecht erzählen, wie der Mord an Corinnas Vater ihr Leben verändert haben und wie sie gelernt haben mit den Folgen zu leben. Sehr lesenswert! Note: 1
5. Nele Neuhaus - Wer Wind sät (Ullstein, 560 Seiten)
Ein Nachtwächter stürzt zu Tode. Ein Grundstück im Taunus, das plötzlich zwei Millionen Euro wert ist, kostet einen alten Mann das Leben. Pia Kirchhoff und Oliver von Bodenstein ermitteln im Kreise von Verdächtigen, die alle vorgeblich für eine gute Sache kämpfen. Doch jeder von ihnen hat sein eigenes Motiv - nichts ist, wie es scheint. Bis die Lügengebäude einstürzen. Rachsucht und Gier offenbar werden. Liebe in Hass umschlägt und Menschen büßen müssen.
So, endlich mal wieder ein Krimi zum Weglesen. Wahnsinnig raffiniert sind Nele Neuhaus Geschichten eigentlich nicht, es gibt auch wieder sehr viele handelnde Personen. Insgesamt habe ich mich aber gut unterhalten gefühlt und mehr erwarte ich von einem Krimi gar nicht. Note: 2
6. Tana French - Totengleich (Fischer, 783 Seiten)
Am Anfang kam ich nicht so richtig in das Buch rein und war aufgrund der Seitenzahl schon drauf und dran, es abzubrechen, habe es aber zum Glück nicht getan. Nachdem Cassie in die Rolle von Lexie geschlüpft und zu deren Mitbewohnern gezogen ist, wird es mehr oder weniger spannend. Die Story ist natürlich höchst unrealistisch und ein Krimi ist das Buch eigentlich auch nicht. Insgesamt hätten dem Buch ca. 200 Seiten weniger ganz gut getan, empfehlenswert ist aber auf jeden Fall. Note: 2
Abgebrochen habe ich: Jan Wallentin - Strindbergs Stern (S. Fischer, 512 Seiten)
So, endlich mal wieder ein Krimi zum Weglesen. Wahnsinnig raffiniert sind Nele Neuhaus Geschichten eigentlich nicht, es gibt auch wieder sehr viele handelnde Personen. Insgesamt habe ich mich aber gut unterhalten gefühlt und mehr erwarte ich von einem Krimi gar nicht. Note: 2
6. Tana French - Totengleich (Fischer, 783 Seiten)
Als die junge Polizistin Cassie Maddox in ein verfallenes Cottage außerhalb von Dublin gerufen wird, schaut sie ins Gesicht des Todes wie in einen Spiegel: Die Ermordete gleicht ihr bis aufs Haar. Wer ist diese Frau? Wer hat sie niedergestochen? Und hätte eigentlich Cassie selbst sterben sollen? Keine Spuren und Hinweise sind zu finden, und bald bleibt nur eine Möglichkeit: Cassie Maddox muss in die Haut der Toten schlüpfen, um den Mörder zu finden. Ein ungeheuerliches Spiel beginnt.
Am Anfang kam ich nicht so richtig in das Buch rein und war aufgrund der Seitenzahl schon drauf und dran, es abzubrechen, habe es aber zum Glück nicht getan. Nachdem Cassie in die Rolle von Lexie geschlüpft und zu deren Mitbewohnern gezogen ist, wird es mehr oder weniger spannend. Die Story ist natürlich höchst unrealistisch und ein Krimi ist das Buch eigentlich auch nicht. Insgesamt hätten dem Buch ca. 200 Seiten weniger ganz gut getan, empfehlenswert ist aber auf jeden Fall. Note: 2
Abgebrochen habe ich: Jan Wallentin - Strindbergs Stern (S. Fischer, 512 Seiten)
In der verlassenen und gefluteten Mine von Falun findet ein schwedischer Taucher ein geheimnisvolles Artefakt, ein kunstvoll gefertigtes Kreuz. Kurze Zeit später wird er tot aufgefunden und es beginnt eine atemlose Jagd nach dem Kreuz durch ganz Europa.Die Spur führt zurück zu einer mysteriösen Polarexpedition im Jahr 1897, zur Verschwörung einer Sekte und reicht bis in die Gegenwart. Die Jagd hat nur ein Ziel: Dem rätselhaften Kreuz seine magischen Kräfte zu entlocken ...
Ähm ja, was mich geritten hat, dieses Buch auszuleihen wird wohl immer unklar bleiben. Ebenso was es mit dem merkwürdigen Kreuz auf sich hat. Und es ist mir so egal!
Ähm ja, was mich geritten hat, dieses Buch auszuleihen wird wohl immer unklar bleiben. Ebenso was es mit dem merkwürdigen Kreuz auf sich hat. Und es ist mir so egal!
Samstag, 30. April 2011
30 Day Song Challenge - Day 30
Your favorite song at this time last year
Das neue Album eines Künstlers oder einer Band, die man über alles liebt, deren Musik einen durchs Leben begleitet und man sich einfach nicht vorstellen kann, ohne sie zu sein, zum ersten Mal zu hören, ist ja immer etwas ganz besonderes. Vor fast genau einem Jahr erschien das zweite Album von Gisbert zu Knyphausen "Hurra! Hurra! So nicht", Meine Erwartungen waren groß und ebenso die Angst, enttäuscht zu werden. Sie wurden nicht enttäuscht, ganz im Gegenteil. Beide Alben gehören zu denen, die ich in meinem Leben am häufigsten gehört habe, last.fm kann das bestätigen. Ich erinnere mich genau an das erste Mal, als ich "Morsches Holz" zum ersten Mal auf CD gehört habe. Dieser Text, die Musik, wie Gisbert sich langsam in Rage singt und die Gänsehaut, die mich dabei überkam. Unbeschreiblich und doch wiederholt es sich jedes Mal wenn ich dieses Lied höre.
Wenn ich für den Rest meines Lebens nur noch fünf Lieder hören dürfte, dieses gehörte dazu.
Wenn ich für den Rest meines Lebens nur noch fünf Lieder hören dürfte, dieses gehörte dazu.
Ich glaub ich weiß, was du jetzt sagen willst
Sag es lieber nicht
Diese Träume waren nicht groß genug
Doch was dir fehlte ist unterm Strich
Nur ein lachendes Gesicht
Auf der anderen Seite dieses Spiegels
Ein bisschen Stolz auf deinen Schultern,
Denn das steht dir gut
Das seltsame Gefühl,
Dass all dein Glück nicht unverdient ist
Der alte Glanz in deinen Augen und ein bisschen Mut
In diesem Kopf ist kein Platz mehr
In diesem Kopf ist kein Platz mehr für all deinen Mut
Ich tausche meine Bibel gegen ein Stückchen morsches Holz
Jemand Interesse?
Ich tausche mein gutes Benehmen gegen dieses
alte Polaroid von dir
mit dem rosafarbenen Teufelskostüm drauf
Ich tausche meine blauen Flecken gegen
Geld, Sex, Drogen und das Versprechen,
dass wir nie wieder zurückkommen hier her, nie mehr
Ich tausche alles, was ich bin und war
Gegen ein Leben ohne Angst vor der nächsten Telefonrechnung, dem Zahnarzt, der Liebe oder dem Tod
In diesem Kopf ist kein Platz mehr
In diesem Kopf ist kein Platz mehr für all euren Mut
Großkotziger Computer, bitte verschone mich
Ich möchte meinen Schatten wieder sehen
Nicht nur das, was mir gefällt
Einen Mausklick weiter
Und ihr, ihr großen schwarzen Löcher,
Interstelaren Müllkippen,
Ich vertraue euch alles an
Meine Netzwerke haben die Sehnsüchte
Mein Mobiltelefon, die gesammelten Geschichtsbücher, Diskettenkarussel meiner Ängste
Dass sich seit 30 Jahren dreht
Und mich nicht aussteigen lässt,
Doch dafür blinkt es sehr schön
Und diese Wörter, die tausenden von Wörtern setzen Meilen, die in meinem Kopf rumschwirren
Und mich müde machen
Außerdem wuchern Leuchtreklamen aus meinen Kopfhörern während dem Fahrradfahren
Aus den Mündern meiner Mitmenschen,
Aus den Liedern meiner Helden und
Aus den vielen Büchern, Filmen,
Die ich gelesen und gesehen hab
Und wenn ich mich doch an eine Hand voll erinnern kann
Ich vertrau sie euch an
In diesem Kopf ist kein Platz mehr
Ich vertrau sie euch alle an
In diesem Kopf ist kein Platz mehr für all diesen Müll
Sag es lieber nicht
Diese Träume waren nicht groß genug
Doch was dir fehlte ist unterm Strich
Nur ein lachendes Gesicht
Auf der anderen Seite dieses Spiegels
Ein bisschen Stolz auf deinen Schultern,
Denn das steht dir gut
Das seltsame Gefühl,
Dass all dein Glück nicht unverdient ist
Der alte Glanz in deinen Augen und ein bisschen Mut
In diesem Kopf ist kein Platz mehr
In diesem Kopf ist kein Platz mehr für all deinen Mut
Ich tausche meine Bibel gegen ein Stückchen morsches Holz
Jemand Interesse?
Ich tausche mein gutes Benehmen gegen dieses
alte Polaroid von dir
mit dem rosafarbenen Teufelskostüm drauf
Ich tausche meine blauen Flecken gegen
Geld, Sex, Drogen und das Versprechen,
dass wir nie wieder zurückkommen hier her, nie mehr
Ich tausche alles, was ich bin und war
Gegen ein Leben ohne Angst vor der nächsten Telefonrechnung, dem Zahnarzt, der Liebe oder dem Tod
In diesem Kopf ist kein Platz mehr
In diesem Kopf ist kein Platz mehr für all euren Mut
Großkotziger Computer, bitte verschone mich
Ich möchte meinen Schatten wieder sehen
Nicht nur das, was mir gefällt
Einen Mausklick weiter
Und ihr, ihr großen schwarzen Löcher,
Interstelaren Müllkippen,
Ich vertraue euch alles an
Meine Netzwerke haben die Sehnsüchte
Mein Mobiltelefon, die gesammelten Geschichtsbücher, Diskettenkarussel meiner Ängste
Dass sich seit 30 Jahren dreht
Und mich nicht aussteigen lässt,
Doch dafür blinkt es sehr schön
Und diese Wörter, die tausenden von Wörtern setzen Meilen, die in meinem Kopf rumschwirren
Und mich müde machen
Außerdem wuchern Leuchtreklamen aus meinen Kopfhörern während dem Fahrradfahren
Aus den Mündern meiner Mitmenschen,
Aus den Liedern meiner Helden und
Aus den vielen Büchern, Filmen,
Die ich gelesen und gesehen hab
Und wenn ich mich doch an eine Hand voll erinnern kann
Ich vertrau sie euch an
In diesem Kopf ist kein Platz mehr
Ich vertrau sie euch alle an
In diesem Kopf ist kein Platz mehr für all diesen Müll
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